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Der Sinn meiner Psychose

Rezensionen

Wibke Bergemann in: Psychologie heute:
Psychose als Chance? – Eine Beschäftigung mit psychotischen Inhalten ist in der Psychiatrie nicht üblich – wäre aber vielleicht ein Gewinn.
In jeder Krise steckt auch eine Chance. Aber kann diese Aussage noch gelten, wenn es sich bei der Krise um eine schwere Krankheit, etwa um Schizophrenie handelt? Der Psychologe Hartwig Hansen geht noch weiter. Seiner Ansicht nach kann eine Psychose einen Menschen sogar retten.
Für das Buch »Der Sinn meiner Psychose« hat der Therapeut Erfahrungsberichte von 20 Betroffenen zusammengestellt. Es sind schmerzliche Geschichten, etwa wenn traumatische Kindheitserlebnisse oder eine schwierige Lebenssituation die Psychose ausgelöst haben. Oder wenn sie erzählen, wie die Krankheit den erhofften Lebensweg zerstörte.
Eine akute Psychose ist in den meisten Fällen ein kaum erträglicher Zustand, in dem viele Betroffene fast übermenschliche Angst und Hilflosigkeit erleben. Dennoch sind diese Episoden für einige Menschen eine derart wichtige Erfahrung, dass sie sie nicht missen möchten. Sie berichten von intensiven Gefühlen und einer erweiterten Wahrnehmung, wie sie es vor und nach der Psychose nie wieder erlebt haben. Tiefe Sehnsüchte brechen auf. Viele entdecken eine verschüttete Seite ihrer selbst, die sie bisher nicht kannten oder längst vergessen hatten.
„Im Nachhinein betrachtet, hat mich der Zustand des Ver-rückt-seins einen Weg der Selbsterkenntnis gehen lassen“, schreibt etwa Britta Geishöfer. Zahlreiche Betroffene erkennen in dieser existenziellen Situation, was für sie das eigentlich Wichtige im Leben ist.
Aus der Innenperspektive geschrieben, geben die Texte Einblicke, die keine psychiatrische Fachliteratur leisten kann. Zugleich stellen sie das verbreitete biologische Konzept von Psychose infrage. So schreibt Klaus Nuißl, der als Neurologiedoktorand psychotisch wurde: „Wie kann ein Mensch überhaupt Derartiges erleben? Wie kann eine Hirnstoffwechselstörung zu einem Eins-Erleben mit der Natur führen?“ Angesichts der überwältigenden Erlebnisse, die ihn bis heute nicht loslassen, seien alle neurologischen Erklärungen unbefriedigend, meint Nuißl.
Noch immer gehört es in der Psychiatrie nicht zur üblichen Behandlung, sich mit den psychotischen Inhalten auseinanderzusetzen. Die Autoren berichten aber, wie gerade diese inhaltliche Beschäftigung ihnen geholfen hat und die Psychose sogar ein Gewinn für ihr Leben wurde. Dass das nicht unbedingt auch Heilung bedeutet, beschreibt Sibylle Prins, die nach Jahren der Ruhe wieder eine Psychose erlebte und sich erschrocken fragte: „Ich dachte, ich hätte meine Psychosen integriert. Wie konnte es zur Wiederholung kommen?“
»Der Sinn meiner Psychose« ist ein Buch, das Betroffenen Mut macht, sich mit ihren Psychoseerlebnissen auseinanderzusetzen und die darin liegende Heilungskraft zu erkennen. Nichtbetroffenen gibt das Buch einen faszinierenden Einblick in die Möglichkeiten der menschlichen Psyche.

Fünf-Sterne-Rezension von Manja auf amazon.de:
Sehr beeindruckend
Um einfach Mal die andere Seite zu sehen/ lesen und nicht nur das langweilige (und meiner Meinung nach sinnlose) ICD-XY oder DSM-Bla, dafür ist dieses Buch eine echte Bereicherung für jeden interessierten Laien und natürlich für angehende Therapeuten ein MUSS. Die verschiedenen Erfahrungsberichte ermöglichen dem Leser eine gewinnbringende Perspektive, weg vom Schubladendenken und hin zur individuellen Betrachtungsweise, verbunden mit Faszination, Wertschätzung und Respekt.

Hartmut Handt in Podium:
Sinn finden
Dieses ist ein ganz erstaunliches und sehr bewegendes Buch. In ihm berichten zwanzig Frauen und Männer von ihren Erkrankungen und dem, was diese ihnen zu sagen hatten. Da sie dafür offen wurden, konnten sie entdecken, dass ihre Psychose, ihre Schizophrenie nicht sinnlos war — ja mehr: Sie konnten darin positiv einen Sinn erkennen. — Dem gegenüber bestand und besteht bei vielen ja immer noch die Meinung, es handele sich dabei um unheilbare Gehirnkrankheiten, deren Symptome man mit Medikamenten lediglich ein wenig mildern könne, bei denen aber Heilung nicht oder kaum möglich sei. Diese Veröffentlichung ist deshalb so wichtig, weil sie eine völlig andere Sicht vermittelt.
Es ist dieses ja, wenn möglich, kein Buch von Menschen, die über derartige Erkrankungen schreiben, weil sie sie von außen beobachten — als Ärztinnen und Ärzte, als Pflegerinnen und Pfleger oder als Angehörige. Geschrieben haben die Beiträge unmittelbar Betroffene. Das macht das Buch so authentisch und anrührend — und hoffnungsvoll.
Der Herausgeber bündelt in einem klugen und hilfreichen Nachwort die verschiedenen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Für diejenigen, die diese Erkrankungen sozusagen von außen sehen (und, wenn möglich, begleiten)‚ ist das sehr unterstützend. Für Betroffene hoffentlich auch; doch das kann ich nur wünschen, nicht beurteilen.

Alexa Köhler-Offierski auf www.socialnet.de:
Fazit
Die Veröffentlichung stellt eine Bereicherung dar für diejenigen, die sich jenseits diagnostischer Zuordnungen von ICD-10 für Menschen interessieren, die an einer Psychose erkrankten.
Die Veröffentlichung stellt eine Ermutigung dar für diejenigen, die nach dem Sinn ihrer psychotischen Erfahrungen fragen wollen, aber unsicher sind.
Und sie stellt eine Ermahnung für die Professionellen dar im Hinblick auf das, was Betroffene vielstimmig artikulieren, für ihre Genesung zu benötigen.

Die komplette Rezension finden Sie hier: www.socialnet.de/rezensionen/14675.php


Elke Hilgenböcker in: Soziale Psychiatrie:
„Eine existenzielle Erfahrung“
Beim Teetrinken mit Dorothea Buck entstand die Idee zu diesem Buch. Eine überfällige Idee, wie Hartwig Hansen seine Einleitung überschreibt. Es soll um die Suche nach dem Sinn gehen. „Der alten Doktrin der Schizophrenie als in sich sinnlose, unheilbare Gehirnkrankheiten, denen ausschließlich mit Medikamenten begegnet werden kann, steht mittlerweile das vielfache Erfahrungswissen zahlreicher Betroffener gegenüber, deren Fazit lautet: Erst als ich offen wurde, um auf die Suche nach der für mich stimmigen ‚Botschaft’ meiner Erkrankung zu gehen, konnte ich die mal ängstigend-verstörenden, mal inspiriert-euphorischen Erlebnisse in mein Leben integrieren“ (S. 12).
In einem Aufruf lud der Autor psychoseerfahrene Personen ein, von ihrer persönlichen Suche nach dem Sinn zu berichten. So wie Dorothea Buck durch die Veröffentlichung ihrer Sinnsuche in „Auf der Spur des Morgensterns“ bis heute vielen in der Psychiatrie Tätigen und auch vielen Psychiatrie-Erfahrenen Mut gemacht hat, in dem zum Teil ungeheuerlichen Geschehen mehr zu sehen als nur einen durcheinandergeratenen Hirnstoffwechsel, so will auch dieses Buch durch die Beschreibung der individuellen Erfahrungen gelungener Sinnsuche helfen, die alte, aber leider immer noch vorherrschende medizinische Lehrmeinung etwas aufzuweichen.
Viele Autorinnen und Autoren folgten dem Aufruf und haben sich auf eine sehr persönliche Reise nach innen begeben. Aber es gab auch einige Absagen. Für manche waren die Erfahrungen zu persönlich, als dass sie sich damit veröffentlicht sehen möchten. Für andere hingegen waren die Psychoseerfahrungen so beängstigend und negativ, dass sie in ihnen keinerlei Sinn entdecken konnten. Dies macht deutlich, dass Psychoseerfahrungen höchst individuell sind, und nicht jeder erlebt sie als sinnvoll oder gar heilend.
Die zwanzig Autorinnen und Autoren schreiben in ihren Texten sehr offen über ihre Erfahrungen und die oft viele Jahre dauernden Bemühungen, das Geschehen in ihr Leben zu integrieren. „Ich sehnte mich nach Zusammenhängen und ich wollte immer verstehen, warum ich meine Kontrolle über mich verloren habe“ (Marina Gerdes, S. 21). Erschreckend ist, dass eigentlich fast alle davon berichten, dass sie besonders in der Akutklinik, aber auch in anderen psychiatrischen Zusammenhängen keinerlei Unterstützung dabei erhielten. Zum Beispiel schreibt Anja Hesse: „Was ich nicht verstand, war die Tatsache, dass niemand mit mir über meine Psychose reden wollte, weder zu Hause noch in der Klinik, und auch nicht in der Tagesklinik oder bei den Psychiatern, die ich nun regelmäßig aufsuchte, um mein Rezept abzuholen. Statt der erhofften Gespräche, wurden mir die Broschüre eines Pharmakonzerns in die Hand gedrückt. Mir schien, das Wichtigste meiner Psychose wurde einfach unter dem Teppich gekehrt“ (S.38). Das war im Jahr 2002.
Und immer wieder schreiben die Autoren und Autorinnen von dem Unverständnis, das ihnen in der Klinik entgegengebracht wird, von den inadäquaten Behandlungen von Fixierungen, von unter Zwang verabreichten Medikamenten, die sie nur stumpf gemacht haben und so ihr Bemühen, das Wesentliche an der Psychose zu verstehen, jäh zunichtegemacht haben. Das ist besonders tragisch, da einige der Autoren berichten, dass sie in der produktiven Phase einer Psychose so viel über sich selbst erfahren haben wie sonst kaum in ihrem gesamten Leben. Es scheint oft so logisch und stringent, warum jemand aus seiner Lebenssituation heraus psychotisch wurde. „Sie kamen in mein Leben in einer Phase, in der meine Seele keine andere Möglichkeit hatte, als in die Psychose zu rutschen „ (Tuula Rouhiainen, S. 40).
Leider gelingt es oft erst Jahre später – häufig im Rahmen langjähriger Psychosetherapien, wo sich zum ersten Mal eine professionelle Person wirklich für das Psychosegeschehen interessiert –, den Zusammenhang zur eigenen Lebensgeschichte herzustellen und das Geschehene zu integrieren. Oft ist das auch der Wendepunkt, die Abkehr von Psychoedukation und Medikamenten. Und einige der Autoren und Autorinnen berichten von ihrer Dankbarkeit über das Erlebte. Darüber, dass die Psychose sie auf einen anderen, für sie sinnvolleren Weg gebracht hat. So unterschiedlich wie all die Lebensgeschichten sind, wie jedes einzelne Psychoseerleben auch ist, so erzählen doch fast alle Autoren, was sie in der Psychiatrie wirklich gebraucht hätten: Einfühlung und Verständnis, Ruhe und Geborgenheit, Menschlichkeit, ein offenes Ohr, ein Gegenüber, das bereit ist, das Geschehen ernst zu nehmen und sich mit den Menschen auf den Weg macht, das Psychoseerleben zu verstehen. Eine gute Anleitung für eine sinnstiftende Behandlung. Eigentlich klingt das nicht schwer.
Ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Erscheinen von „Auf der Spur des Morgensterns“ habe ich nach der Lektüre dieses Buches das Gefühl, wieder ein besonderes Juwel in meinen Händen zu halten. Es stellt sowohl für „alte Hasen“ als auch für neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Psychiatrie und sicherlich auch für die Menschen, die eine Psychose erlebt haben, oder auch für Angehörige eine wirkliche Bereicherung dar. „Mit diesem Buch bekommt Psychose diejenige Dimension, die sie im Leben Betroffener hat: eine existenzielle Dimension“ (S. 13)

Michaela J. Albrecht in: Ergotherapie und Rehabilitation:
Diese Sammlung von Erfahrungsberichten psychoseerfahrener Menschen schildert auf eindrückliche Weise den schon im Titel betonten „Sinn meiner Psychose“, indem sie 20 Betroffenen Gehör verleiht und sie auf der Suche nach diesem Sinn begleitet.
Dieses Buch gründet auf der Idee der Ehrenvorsitzenden des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, Dorothea Buck, die den Herausgeber Hartwig Hansen dazu anregte, mit ihr gemeinsam auf die Suche nach dem Sinn von Psychoseerkrankungen zu gehen. Daraus ist dieses übersichtliche Buch mit den Erfahrungsberichten Betroffener entstanden. Doch so unterschiedlich die psychosozialen Hintergründe dieser Menschen auch sein mögen, sie alle verbindet hier die Sinnsuche, die Hoffnung und Kraft spendet, Verständnis und Verstehen ermöglicht und das alte Stigma der Schizophrenie aufzubrechen versucht. Diese Sinnsuche ist dabei individuell und beeindruckend, völlig unterschiedlich und doch verbunden durch die jeweils gemeinsame Frage nach der Botschaft ihrer Erkrankung. Die Antworten könnten nicht eindrücklicher beschrieben werden als von der Psychoseerfahrenen selbst.
„Ich glaube, Psychose ist eine Folge von einem Zuviel, von einem Ungleichgewicht. Es kann auch ein Zustand von zu wenig sein, von Verbindungslosigkeit zu den Menschen und zu sich selbst.“ (Gwen Schulz)
„Sinnlos waren sie nie. Immer erwachten sie aus einer von mir nicht zu lösenden Lebenslage.“ (Katharina Coblenz-Arfken)
Dieses Buch stellt ein beeindruckendes Bekenntnis dieser ebenso reflektierenden wie ehrlichen und mutigen Menschen dar, die nicht nur ihre eigen Erkrankung authentisch und berührend beschreiben, sondern sich auch für einen vertrauensvollen Trialog zwischen Betroffenen, Angehörigen und in der Psychiatrie Tätigen einsetzen. Das Buch schließt mit Kurzbiografien der AutorInnen und einem Resümee des Herausgebers, ist damit vielstimmig und zugleich verständlich und verständnisvoll, Sinn suchend und Sinn stiftend, weise und weisend – kurz gesagt: absolut empfehlenswert. Damit eignet sich diese Sammlung von Erfahrungsberichten – ganz im Sinne des Trialogs – sowohl für Betroffene auf der Sinnsuche als auch für Angehörige psychotischer Menschen, sowohl für in der Psychiatrie Tätige als auch für interessierte Laien.

Christian Zechert in: Dr. med. Mabuse:
Bereits der Titel des Buches macht klar: Psychosen als ausschließlich chaotisches, befremdliches oder gar selbstschädigendes Erleben und Verhalten wahrzunehmen, wird Menschen in seelischen Krisen nicht gerecht. Hier berichten zwanzig Autorinnen und Autoren über ihre veränderten Wahrnehmungen, über Phasen tiefer Verzweiflung, über ihr Überfordertsein, aber auch vom Suchen, Verstehen und Sich-wiederfinden. Herausgerissen aus dem Normalverlauf eines bürgerlichen Lebens, hat sie ihre Suche zu einem neuen Verhältnis gegenüber ihrer Psychose geführt.
Nicht immer verbunden mit der Auflösung seelischer Turbulenzen und traumatischer Kindheitserfahrungen – aber die zwanzig Beispiele zeigen, dass ein neues, selbstbewusstes Leben und eine neue Identität trotz der Achterbahn von Gefühlen möglich sind. Eine Psychose kann reich machen an Kontakten, Erfahrungen und neuen Möglichkeiten, selbst wenn man materiell verarmt, wie Martin Stoffel schreibt. Psychose beinhaltet die Gefahr des Selbstverlustes oder die Chance der Selbstfindung, so formuliert zum Beispiel Anna P. die hilfreiche Auseinandersetzung mit ihrer Psychoseerfahrung. In allen Beiträgen eröffnet sich nach und nach eine in ihrem Reichtum, ihrer Individualität, ihrer inneren Differenzierung und Spiritualität neue Welt.
Lohnt es sich das Buch zu lesen? Uneingeschränkt ja. Hier wird kein Voyeurismus über besondere Lebensläufe bedient. Die Autorinnen und Autoren helfen uns, einen Zugang, ein Verständnis für ihre häufig dramatischen Lebens- und Krisenbewältigungen zu finden. Freunde, Angehörige, Behandler und von Krisen Betroffene sollten das Buch nutzen, um zu verstehen, was aus der Außensicht oft als unverständlich, entrückt, selbstschädigend wahrgenommen wird. Und dass es danach stets ein „Weiter“ gibt, dass eine Psychose auch Start- und nicht Endpunkt sein kann.
Bitter fällt auf, dass viele der Autorinnen und Autoren die klinische Standardbehandlung als nicht hilfreich, manche sie sogar als schädlich empfunden, ja geradezu erlitten haben. Dass sie, konfrontiert mit einem rigiden neurobiologischen Behandlungsmodell, mit rationalen Erklärungen und missachteten Wünschen herzlich wenig mit dieser Art von „Therapie“ anfangen können. Dass sie hingegen Geduld, Akzeptanz und Offenheit für spirituelle Fragen als Hilfen außerhalb des Heilmittelkatalogs sowie eine Psychotherapie, die den Namen verdient, als ungemein hilfreich empfanden.
Wundern soll uns dies nicht, denn weder in einem klassischen Krankheitsmodell noch im Heilmittelkatalog ist der „Sinn“ einer Erkrankung vorgesehen. Insofern ist dieses Buch wirklich etwas Neues. Hier sprechen Menschen über ihre veränderten psychischen Zustände radikal anders, als es die klassische Krankheitslehre vorsieht. Bereits dies macht es höchst wertvoll und fachpolitisch bedeutsam.
Dahinter steht jedoch viel mehr als „nur“ eine biografische Aufarbeitung von zwanzig Schicksalen. Das Buch ist Dokument eines neuen Selbstbewusstseins und der Fähigkeit, über etwas zu sprechen und zu schreiben, was noch vor 20 bis 40 Jahren zu einer dauerhaften Psychiatrisierung in Langzeitbereichen geführt hätte. Es ist ein Dokument des sich selbst und andere Verstehens, weit über die biografische Selbstreflexion hinaus.
Die Botschaft der Texte hat die Qualität eines Lehrbuches für Psychiatrie. Es ist jedem jungen Psychiater, jeder Psychologin und jedem Sozialarbeiter in die Hand zu drücken. Damit diese, damit wir verstehen, wie viel mehr Sinnsuche, Anstrengung und Leistung hinter dem Verhalten derjenigen steckt, die unter Psychose „leiden“, ja immer noch leiden, aber auch von ihr gelernt haben und mit ihr nunmehr leben können. Und das ist ungeheuer viel. Hiervon können wir alle lernen.
Dem Herausgeber Hartwig Hansen – als Psychologe zugleich Paar- und Familientherapeut und Supervisor – ist die Thematik aus seiner profunden Kenntnis der Psychiatrie bestens vertraut. Ihm gebührt Anerkennung dafür, nicht nur die zwanzig Texte zusammengetragen, sondern auch die Bedeutung und Leistung dieser kritischen Lebensläufe für uns erkannt und in einem hilfreichen Nachwort eingeordnet zu haben.

Artur Hermanni auf amazon.de – Fünf Sterne:
Sehr viel Sinn in Psychosen, oh ja!
Alle Berichte wirken inhaltlich glaubwürdig, wenn das denn überhaupt notwendig ist zu sagen. Aber sicher wird der eine oder andere das Irre darin finden, wenn er nicht bereit ist, sich selbst an Hand der vielen Relationen, die hier aufgemacht werden, zu hinterfragen. Hier wird, ganz ohne fachlichen Überbau, aufgeräumt mit völlig überholten Bewertungen von Menschen die Psychosen hatten, sie immer noch haben, oder immer mal wieder, weil hier allein durch Authentizität überzeugend dargestellt wird, was für viele undenkbar bleibt. Trotz der Bandbreite von, mal-eben-weg sein, bis jemand-anders-sein, und das auch für länger, bleibt alles nachvollziehbar?
Mir drängen sich Fragen auf wie: Wer waren die Propheten von damals? Diese armen Schweine, die von Gott gesandten, wie Jonas, Jeremia, Jesaja und Co? Wäre es nicht naheliegend, das sie ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben? Wo sind die heute? Gibt es sie noch? Ich denke schon! Heute lachen wir sie jedoch aus, oder jagen sie weg, wir sperren sie in Psychiatrien, setzen sie unter Drogen, und weigern uns ernsthaft über ihre Wahrnehmungen und Erlebnisse nachzudenken, anstatt sie einfach anzunehmen, mit ihren anderen Wahrnehmungen, ihrem anderen Bewusstsein, die alle allesamt ihren Sinn haben. Von scheinbar extremen Außenposten, bis zu eher moderateren Psychose-Erfahrungen, als Krisen und Wendepunkte erlebt, bleibt jeder einzelne dieser Berichte in seiner genialen Einzigartigkeit schlicht beeindruckend. Die Berichte eint, dass Erlebtes und Erlittenes genutzt wurde, weil die Betroffenen einen Weg fanden, mit oder ohne Hilfe, Sinn darin und für das Danach zu finden.
Selbst Psychiatrieerfahren, wenn auch mit „nur“ Depressionen, habe ich mich beim Lesen erlebt, als jemanden mit ganz ähnlichen Erfahrungen, in der Lightversion vielleicht. Hier braucht es aber keine Vergleiche, oder Bewertungen von Erfahrungen, denn letztendlich geht es um die Bereitschaft sich auseinandersetzen zu wollen. Genau das konnte ich in jedem Bericht nicht nur lesen und erfahren, sondern auch spüren. Hier haben sich Menschen gestellt, gewollt oder ungewollt egal, haben sich den notwendigen Prozessen gestellt, haben ja gesagt zu den schmerzhaften und konfrontativen Wegen, die sich in ihrem individuellen Erleben nur ihnen angeboten haben.
Wer könnten die Adressaten, wer Zielgruppe dieses Werkes sein? Man kann nur hoffen, dass sich da keiner ausnimmt. Verblüffend, wie durch die teils intimen Berichte die sogenannten Verrückten, ihre angeblich wahnhaften Welten, so plausibel und nah vermitteln. Insgesamt rücken hier die extremen Erfahrungen der Psychoseerfahrenen die Realität zurecht. Hier wird die Wirklichkeit, die ach so normale Welt, schlüssig und nachvollziehbar abgestraft, ohne missionarischen Eifer, ohne Zeigefinger. Der Welt mitzuteilen, das Psychosen ihren Sinn haben, dazu leistet diese Buch einen wertvollen Beitrag, Gratulation! Jeder einzelne Bericht ist gelungen, Respekt an die Autoren, die sich in ihren Texten öffnen und zeigen. Mich haben sie beeindruckt, betroffen gemacht, beschämt und auch inspiriert. Danke für diese sinnreichen Einblicke.

Susanne Czuba-Konrad in: Psychosoziale Umschau:
Ich bin dahintergekommen!
Aus Freude ist in diesem Buch keiner psychotisch geworden. Oftmals sind bittere Erfahrungen in der Jugend schuld. „Psychosen zerstören Leben, vernichten Karrieren, verhindern Partnerschaften, machen arm und dick.“ (Martin Stoffel)
Gerade deshalb wird hier gefragt, welcher Sinn in der Psychose liegen kann. Der Herausgeber Hartwig Hansen hat zwanzig Autorinnen und Autoren aufgerufen, diese Frage zu beantworten. „Vor allem möchte ich verstehen, was da in und mit mir vor sich geht“, versetzt er sich in seinem Vorwort in die Lage der Betroffenen. Denn viele klagen über stereotype Therapien und eine einseitige Medikamentenbehandlung. Kaum jemand in der stationären Psychiatrie ist bereit, inhaltlich über die Psychose-Erfahrungen zu reden. Dabei wäre das – darin sind sich alle am Buch Beteiligten einig – maßgeblich für ein besseres Verständnis der eigenen Situation und entscheidend für eine positive Weiterentwicklung. Jeder der Autoren war aufgefordert, zu reflektieren, „warum gerade ich mit meiner persönlichen Geschichte so etwas erlebt habe, welchen Sinn meine Psychose für mich hat, worauf sie mich hinweist, was ich in Zukunft in meinem Leben, im Umgang mit mir und meinen Mitmenschen ändern sollte, um zufriedener zu werden.“
Damit rückt die Psychose in ein neues Licht. Sie wird nachvollziehbarer, normaler, selbstverständlicher: In einer Psychose wird so vieles wahrgenommen, gedacht, verarbeitet, dass es sich lohnt, einen gezielten Blick darauf zu werfen, was da in einem vorgegangen ist.
Was haben nun die Beitragenden aus dieser Frage gemacht?
Die meisten berichten zunächst aus ihrem Leben und reflektieren die Auslöser ihrer Krankheit. Dann wird nach Hinweisen auf den Sinn von Psychosen gesucht: Die psychotischen Episoden werden als Entgrenzungserfahrungen beschrieben, als Öffnung des Innenlebens, als Lösung eines Knotens. Anna P. spricht vom Traum im Wachzustand. Weil es sich ausnahmslos um Krisen handelt, um ein Abkommen von der bisherigen Lebensspur, wird die Psychose zu einer Art Fingerzeig, das Leben noch einmal komplett zu überdenken. Für Klaus Nuißl führt die bittere Krise zu einer Verwundung, die den Menschen zwingt, einen mühsamen Reifeprozess noch einmal von vorn zu beginnen. Britta Geishöfer schreibt: All das „braucht es, um wahrhaft lebendig zu sein, um sich zu entwickeln und in ein tieferes Verständnis für diese Welt zu kommen“.
Die etwa zehnseitigen Texte sind sorgfältig verfasst. Sie zeigen die Fähigkeit der Autorinnen und Autoren, sich in schriftstellerischer Gestaltung ihres Themas anzunehmen, um noch einmal zu reflektieren und ein weiteres Stück zu wachsen. Die Inhalte des Psychoseerlebens sind den Motiven in der Literatur verwandt. Sie so zu abstrahieren, dass sie für den Leser miterlebbar und nachvollziehbar werden, ist eine große schriftstellerische Leistung der Autoren, von denen einige bereits mit Veröffentlichungen und Lesungen hervorgetreten sind, so Peter Mannsdorff, Sibylle Prins, Jan Michaelis und Katharina Coblenz-Arfken, die 2003 den Roman „Katharina, Katharina“ (Radius-Verlag) veröffentlicht hat.
Das Buch ist für Menschen mit Psychoseerfahrung genauso lesenswert wie für Psychiatrietätige. Für viele Mitwirkende des Bandes trifft beides zu. Sie haben – gereift durch Krankheitserfahrung – Psychologie studiert oder arbeiten als Genesungsbegleiter, im Experienced-Involvement oder als Therapeuten. Wer wissen will, was man aus Psychosen lernen kann, sollte sich mit dieser Anthologie unbedingt auseinandersetzen!

Marianne Pundt in: Forum Sozial:
„Darin sehe ich heute den Sinn meiner Psychose. Sie ließ mich ausbrechen, sie ließ mich aufbrechen, sie wies mir den Weg zu dem, was wirklich zu mir passt.“ So beschreibt es einer der Autoren, Reinhard Wojke, als er nach dem Sinn seiner Psychose gefragt wird. Er ist einer von zwanzig Frauen und Männern, denen in diesem Buch eine Stimme und damit die Möglichkeit gegeben wird, von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit ihrer psychischen Erkrankung zu berichten. Jeder erlebt, beschreibt und benennt den Sinn seiner Psychose ganz individuell für sich und zeigt auf, warum er oder sie die Erfahrung damit auch als Bereicherung erlebt hat.
Zusammengetragen hat diese persönlichen Berichte der Herausgeber Hartwig Hansen, Diplompsychologe, Publizist, Fachlektor, Paar- und Familientherapeut und Supervisor.
Hartwig Hansen möchte mit dieser Zusammenstellung zum Gedankenaustausch und zur persönlichen und individuellen Weiterentwicklung jedes Einzelnen sowie zur Weiterentwicklung der Psychiatrie beitragen. Weiterentwicklung dahingehend, dass die Psychiatrie dem Sinn von Psychosen mehr Bedeutung einräumt und mehr Beachtung schenkt.
Denn die verschiedenen Berichte werfen neben dem Einblick in verschiedene Biografien einen kritischen Blick auf die Psychiatrie und den Einsatz von Psychopharmaka. So beschreibt Elisabeth T. in dem Buch: „Der Ausbruch der psychischen Krankheit zwang mich zum Anhalten. Das war das Allererste. In der Folge erfüllte die Psychiatrie ihren Zweck, sie schirmte mich ab. Aber das war ein komplettes Abschirmen und damit ein Punkt, den heute viele Psychiatrie-Erfahrene beklagen: man wird durch Psychopharmaka auch in seinem Inneren abgeschirmt, der emotionale Zugang wird zubetoniert.“
Die Einblicke in die ganz persönlichen Erfahrungen sind vielstimmig und damit vielfältig. Die zwanzig Frauen und Männer nehmen die LeserInnen mit auf eine Reise zu ihrem ganz persönlich Erlebtem – eine Rückschau auf ihre Krise, der Aufbruch in eine Sinnsuche und das eigene Erstarken daran, was sie durchgemacht haben.
Hartwig Hansen rahmt die Berichte mit einem Vorwort und einer abschließenden Einordnung für die LeserInnen hilfreich ein. Er greift einzelne Gedanken nochmals auf und zeigt auf, wie zahlreich „Sinn“ verstanden werden kann.
Dieses Buch eignet sich sowohl für den professionellen Kontext – für PsychiaterInnen, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, Ärzteschaft und Pflegepersonal – als auch für Angehörige, Freunde und Betroffene selbst. Es eröffnet eine Perspektive, die einem sonst verwehrt bleibt, und ermöglicht einen Zugang zum besseren Verständnis psychotischer Krisen – fernab von der klinischen Einteilung psychischer Erkrankungen – und dem daraus resultierenden Aufbruch des Sich-Selbst-Findens.

Renata Bleichenbacher in: Pro Mente Sana Aktuell:
Die Schizophrenie bzw. Psychosen gelten noch heute oft als eine in sich sinnlose, unheilbare Erkrankung, die ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden kann. Zum Glück widerspricht dieser überholten Meinung das Erfahrungswissen vieler Betroffener, die in ihren Psychosen einen Sinn gefunden haben. Die Idee oder den Anstoss für dieses Buch bekam Hartwig Hansen bei einem Gespräch mit der bekannten und sehr engagierten Dorothea Buck, die für ihr Lebenswerk mit dem großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland geehrt wurde. Dorothea Buck, die selbst betroffen ist und sich sehr für einen anderen, guten Umgang mit dieser Erkrankung einsetzt und unzählige Artikel darüber verfasst hat, zeigte Hartwig Hansen begeistert einen Vortrag von Gwen Schulz, den diese an der Gründungsversammlung des Deutschsprachigen Dachverbandes Psychosen - Psychotherapie (DDPP) gehalten hatte. Er trägt Überschriften wie: „Psychiatrie – kein sicherer Ort“, Psychose ist keine Fehlschaltung“, „Akzeptanz ist die Basis“ und „Hoffnung lässt wachsen“ und zeigte Hartwig Hansen die Richtung für sein Buch.
Es ist nicht immer wichtig, dass sofort alles mit Medikamenten „weggemacht“ wird, sondern dass den Menschen zugehört wird, damit sie die Botschaften aus dem Unterbewusstsein verstehen können und man sich gemeinsam auf die Suche nach dem Sinn machen kann. Zwanzig Frauen und Männer haben sich auf einen Aufruf von Hartwig Hansen gemeldet und sich bereit erklärt, ihre Erfahrungen nach der Sinnsuche aufzuschreiben. Wir Leserinnen und Leser dürfen daran teilhaben, warum gerade diese Menschen mit ihrer persönlichen Geschichte so was erlebt haben, welchen Sinn die Psychose für sie hat, worauf sie hinweist. Wir erfahren, was die Betroffenen in der Zukunft in ihrem Leben im Umgang mit sich selbst und mit ihren Mitmenschen ändern möchten, um zufriedener zu werden – verbunden mit dem Wunsch, Resultat oder Ziel, mit einem nächsten Schub gelassener umgehen zu können. Es ist ein sehr berührendes Buch, das Hoffnung macht, zum Gedankenaustausch und zur persönlichen, individuellen Weiterentwicklung durchaus beitragen kann, aber auch zur Weiterentwicklung und Veränderung der Einstellung in der Psychiatrie mit der klaren Botschaft, dem Sinn von Psychosen mehr Raum, Bedeutung und Beachtung zu schenken.

Peter Lehmann in: FAPI-Nachrichten:
"Lange galt die Schizophrenie als in sich sinnlose, unheilbare Gehirnkrankheit, der ausschließlich mit Medikamenten begegnen werden kann", schreibt der Herausgeber Hartwig Hansen auf der hinteren Umschlagseite des von Dorothea Buck inspirierten und von ihm im sozialpsychiatrisch orientierten Paranus Verlag herausgegebenen Buchs. Als Autorinnen und Autoren lud Hansen Menschen ein, die in der Vergangenheit im – ebenfalls im Paranus Verlag erscheinenden – Brückenschlag Beiträge veröffentlicht hatten, womit die Weite des Denkhorizonts vorgegeben war: schließlich galten diesen Beitragschreibern Psychosen schon lange nicht mehr als sinnlose Symptome von Hirnstörungen. 1983 hatte Tina Stöckle in ihrem antipsychiatrischen Buch "Die Irren-Offensive – Erfahrungen einer Selbsthilfe-Organisation von Psychiatrieopfern" Mitglieder der damaligen Irren-Offensive Berlin zu Wort kommen lassen und aus den Interviews Kriterien einer Alternative zur Psychiatrie entwickelt, wozu sie explizit die Suche nach dem Sinn des Wahnsinns, einem Ernstnehmen des Verrücktseins und die Auseinandersetzung damit zählte. Sieben Jahre später gab Dorothea Buck ihrem Buch "Auf der Spur des Morgensterns" den programmatischen Zusatztitel "Psychose als Selbstfindung". Während es Tina Stöckle um die radikale Befreiung vom psychiatrischen Einfluss ging und um den Kampf gegen psychiatrische Menschenrechtsverletzungen, fordert Hartwig Hansen 30 Jahre danach ausschließlich eine Weiterentwicklung der Psychiatrie, die dem Sinn von Psychosen mehr Bedeutung einräumt und mehr Beachtung schenkt. Scheinbar liegen diese beiden Positionen weit auseinander. Doch auch eine Haltung, die sich primär der Suche nach dem Sinn des Wahnsinns verpflichtet fühlt, ist Sand im Getriebe des psychiatrisch-industriellen Komplexes im Zeitalter der boomenden Neurobiologie, die den Menschen mit seiner Gefühlswelt (psychische Probleme eingeschlossen) auf biochemische Vorgänge reduziert. Angesichts der gigantischen Kapitalinteressen im psychosozialen Bereich ist nun nicht damit zu rechnen, dass "Der Sinn meiner Psychose" den großen Umbruch in der Psychiatrie bewirkt. Aber Psychiatriebetroffenen, die noch an die biologische Verursachtheit aller Psychosen glauben, kann das Buch die Augen öffnen und sie dahin bringen, sich selbstkritisch alleine, in der Selbsthilfegruppe oder in der Psychotherapie damit auseinanderzusetzen, weshalb und wann sie ausrasten und was die Symptome zu bedeuten haben, gilt es doch, wieder Herr oder Frau über das eigene Leben zu werden. Katharina Coblenz-Arfken, Karla Kundisch, Peter Mannsdorff, Jan Michaelis, Sibylle Prins, Gaby Rudolf, Reinhard Wojke und 13 weitere Psychiatriebetroffene beschreiben in persönlichen Beiträgen, wie sie dem Sinn ihrer Psychose auf die Spur gekommen sind und warum sie ihre besonderen Erfahrungen als Bereicherung erleben. Das Buch enthält insgesamt 20 unterschiedliche Erfahrungsberichte und Reflexionen von Betroffenen über den Sinn und die Inhalte ihrer Psychosen, ihr Zustandekommen, ihre Auslöser, ihre Verarbeitung und ihre Konsequenzen – dankenswerterweise ohne jegliche Interpretation des Herausgebers. So bleibt den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, sich bei der Lektüre dieses vielstimmigen Buches ein eigenes Urteil zu bilden.

Hans Krieger in: Ossietzky – Zweiwochenschrift für Politik/Kultur/Wirtschaft:
Wahn – Sinn
„Der Weg in die Psychose war mein Befreiungsschlag.“ – „Ich bin gerade durch diese Erkrankung geheilt.“ – „Rückblickend möchte ich keine Psychose missen in meinem Leben, weil sie mein Verständnis für das Sein in einer unfassbaren Dimension erweitert haben.“ Was die Psychiatrie als Folge eines gestörten Hirnstoffwechsels diagnostiziert, mit Etiketten wie „Schizophrenie“ belegt und unter Zwangsanwendung medikamentös unterdrückt, erleben die Betroffenen selbst trotz massiver Ängste oft als letztlich sinnvoll und heilsam, als Bewusstseinserweiterung, als Reifungsschritte der Persönlichkeit zu innerer Ganzheit und gesteigerter Lebendigkeit.
In dem von Hartwig Hansen herausgegebenen Sammelband „Der Sinn meiner Psychose“ berichten 20 Frauen und Männer von ihrem Leben mit und nach der Psychose und von ihren Erfahrungen mit der Psychiatrie, die für die meisten das eigentliche Schrecknis sind: Gefangenschaft, Isolation, Entwürdigung, Stigmatisierung. Es sind Menschen, die Probleme haben mit der Anpassung an das, was Michel Foucault als Terror der Vernunft beschrieben und der Psychoanalytiker Arno Gruen als „Wahnsinn der Normalität“ analysiert hat. Verweigert wird ihnen, was helfen kann: Zuwendung, Ernstnehmen ihrer Erfahrungen, verständnisvolles Gespräch. Aufgezwungen wird ihnen, was sie als „Zubetonierung“, als Abtötung ihrer Gefühle erleben. Dies zu ändern ist nicht allein eine medizinische Aufgabe; es ist eine gesellschaftliche und damit eine politische. Es ist eine Herausforderung an den künstlich verengten Realitätsbegriff im kapitalistischen Materialismus. Und es ist eine Einladung, kreative Potenziale zu entdecken. „Wenn wir diese Menschen ausschließen, dann wird die Welt um uns ärmer und kälter“, heißt es in einem der Texte.

Brian Haydn in der Zeitschrift Oya:
Dem Sinn auf der Spur
In dem Buch „Der Sinn meiner Psychose“, herausgegeben von Hartwig Hansen, seines Zeichens Psychologe und systemischer Therapeut, berichten 20 Menschen von ihren psychotischen Erfahrungen und ihrer Odyssee durch den alltäglichen psychiatrischen Betrieb. Diese Lebensgeschichten erzählen von den extrem unterschiedlichen Erlebniswelten der Betroffenen, die allerdings eines gemeinsam haben: Eine Sinnstiftung wurde und wird in den Kliniken nicht unterstützt. Vielmehr werden die Menschen dort mit den vielen offenen Fragen zum „Warum“ in der Regel alleingelassen.
Basierend auf einer Idee von Dorothea Buck, einer selbst von Psychose betroffenen Autorin und Begründerin des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, zeigen die Frauen und Männer in diesem Buch Alternativen zur reinen Medikamententherapie und zu den üblichen Theorien über Störungen des Gehirnstoffwechsels auf. Dem Sinn der Psychose auf der Spur, eröffnet ihr Erleben neue, lösungsorientierte (Be-) Handlungsrichtungen. Es gelingt den Autorinnen und Autoren, ein neues Bild ihres Lebens zu entwerfen, das sich vom Gedanken der als chronisch oder unheilbar eingestuften Krankheit löst und stattdessen die tieferen Aspekte des Seins beleuchtet und in die eigene Existenz integriert.
Die vom Herausgeber unkommentiert veröffentlichen Texte sind darauf angelegt, vor allem betroffenen Menschen und deren Angehörigen Mut zu machen, eine Psychose nicht als komplette Katastrophe, sondern als besondere Lebenserfahrung mit neuen Chancen wahrzunehmen. Die sehr persönlichen und unter die Haut gehenden Erfahrungsberichte laden dazu ein, auch Lebenswelten, für die es in der westlichen Kultur kein Verständnis gibt, als Teil eines Prozesses zur Ganzwerdung zu betrachten und zu nutzen.
Für Ärztinnen und Therapeuten, die bereit sind, mehr in einer Psychose zu sehen als lediglich neurobiologische Vorgänge, kann dieses Buch neue, wesentliche Aspekte für den Umgang mit ihren Klienten eröffnen. Den geneigten Leserinnen und Lesern wird auf jeden Fall eine neue Perspektive auf die fremdartige Welt psychotischer Erfahrungen geschenkt.

Andreas Manteufel in: systhema:
In seinem neuen Buch lässt Hartwig Hansen andere schreiben, nämlich Menschen, die eine (schizophrene) Psychose selbst erlebt und durchlitten haben, Menschen, die ihre „mal ängstigend – verstörenden, mal inspiriert-euphorischen Erlebnisse“ irgendwie überwinden, vielleicht sogar in ihr Leben integrieren konnten. Hauptverdienst dieser aktuellen Paranus-Publikation ist es wieder einmal, einen Einblick in die subjektive Seite der Erkrankung zu gewähren. Dazu gehört, das müssen wir akzeptieren, auch das ernüchternde Bild der stationären Klinikbehandlungen, das die Autoren fast durchweg zeichnen. Das Bedauern von Dorothea Buck, der geistigen „Mentorin“ dieses Buchprojekts, dass in Kliniken viel zu wenig über das subjektive Erleben, Verstehen und auch sinnhafte Deuten psychotischer Inhalte gesprochen wird, hat nichts an Aktualität verloren.
Ich lese die Bücher aus dem Paranus-Verlag vor allem als Ermutigung, mehr zu fragen, neugieriger zu sein und sich doch wo immer es geht mehr Zeit zu nehmen, überhaupt Dialoge über Sinn zu ermöglichen. Klar ist, dass es keine eindeutigen Antworten, schon gar keine allgemeingültigen für die Frage nach dem Sinn einer Psychose gibt. Es geht mehr um das Deuten, häufig symbolische, von psychotischen Inhalten, aber auch um die Einordnung der Erkrankung in den eigenen Lebenslauf. Dabei wird in diesen Beiträgen deutlich, dass Psychose in verschiedenen Stadien eine „zerstörerische“, aber manchmal auch, zumindest zeitweise, eine „gutartige“, befreiende Wirkung für den Betroffenen haben kann. Häufig geht es in der Suche nach dem Sinn der Erkrankung um die „Lösung“ aus einem Konflikt, manchmal um den Zusammenbruch nach einem Trauma, manchmal aber auch um den notwendigen „Wendepunkt“ hin zu einer neuen Richtung, vielleicht sogar Lösung. Das wird von verschiedenen Autoren mehr oder weniger dramatisch geschildert, etwa als „Transformation“ oder aber als „Erdbeben“.
Alle Texte tragen eine ganz individuelle Handschrift, sind natürlich sehr persönlich und sehr sorgfältig formuliert, manchmal auch richtig fesselnd zu lesen. Eine wirklich lohnende Lektüre.

Christine Theml in: Nicht ohne uns:
Dorothea Buck, Ehrenvorsitzende des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, und Hartwig Hansen, Diplompsychologe, Autor und Herausgeber, hatten gemeinsam die Idee zu dem Buch „Der Sinn meiner Psychose“. Darin geht es darum, die entwicklungsfähigen Impulse zu beschreiben, die trotz Zusammenbrüchen, Versagen, Unverständnis der Umwelt, langen Umwegen auch vorhanden sind und manchmal zu einem neuen gelingenden Leben führen. Hartwig Hansen führt in das Buch ein und beendet es mit dem Schlusswort: „Sinn, Sinn und Sinn“ (S.184).
Im Paranus Verlag wird seit vielen Jahren das Journal „Brückenschlag“ einmal im Jahr herausgegeben, das eine Sammlung von Erfahrungsberichten vor allem Betroffener unter einem bestimmten Thema ist. Hier war also für Hartwig Hansen und Fritz Bremer vom Verlag eine reiche Quelle an Persönlichkeiten, die für das Buch in Frage kamen. Gerade wenn man selbst Erfahrung mit psychotischem Erleben hat, ist die Lektüre aufregend, auch angreifend. Ich musste immer wieder längere Pausen einlegen. Aber eine große Freude macht sich auch in einem breit, dass es wirklich nicht stimmt, dass Psychosen unheilbar, weil sinnlos, weil Entgleisungen des Hirnstoffwechsels sind. Mit so was kann man als Betroffene/r nicht umgehen. Dorothea Buck hat mit ihrem Buch „Auf der Spur des Morgensterns“ Pionierarbeit geleistet, Psychosen als einen Einbruch des Unbewussten ins Bewusste zu verstehen. Die Inhalte der Psychose gilt es zu entschlüsseln, sie haben oft einen hohen symbolischen Gehalt. Wenn das gelingt, kann man die Psychose als Hilfe für den Weg begreifen, den man einschlagen sollte, wenn man wieder gesünder, kräftiger, einfach man selbst sein will und kann. Davon erzählen diese zwanzig Menschen auf natürlich ganz unterschiedliche Weise. Besonders berührt hat mich der Erfahrungsbericht von Karla Kundisch. Wir kennen uns auch persönlich. Ihren Beitrag hat sie überschrieben: „Erst mal hören …“ Er beginnt mit einem Gedicht, danach schreibt sie über ihren Umgang mit ihrer Psychose: „Das Leben hat mir Antwort gegeben“. Vielen hat die Psychose einen Zugang zur Spiritualität geschaffen und damit einen Zugang zu neuem Sinn und Reichtum für ihr Leben. Arnhild Köpcke überschreibt ihren Erfahrungsbericht „Der Sinn liegt im Zwischen“. Darunter: „Nichts Menschliches ist mir fremd …“ Es ist schon lange meine Ahnung, dass viele von uns in der Psychiatrie landen, die im Zwischen etwas spüren, die mit flotten Lösungen nicht zurechtkommen, überhaupt nicht mit unserem Tempo. Dabei haben sie viel Wertvolles, auf das eine Gesellschaft nicht verzichten sollte. Das drückt sich dann oft im künstlerischen Schaffen aus. Einige von den Autoren lernten über EX-IN, ihre Erfahrungen an andere Betroffene weiter zu geben, die Seite der Helfer zu bereichern oder zu ergänzen und damit ihrem Leben einen ganz neuen, aber erfüllenden Sinn zu geben. Das derzeit herrschende System Psychiatrie kann Menschen diesen Weg meist noch nicht zeigen, er muss oft selbst gefunden werden. Das spricht aus den Berichten. Es geht heute aber nicht mehr um Anklage, sondern um ein Werben um Bereitschaft, miteinander ins Gespräch zu kommen, um Menschen mit Psychoseerfahrungen besser gerecht zu werden.

Jürgen Blume in: Sozialpsychiatrische Informationen:
Ein weiterer Meilenstein zum Psychoseverständnis
Als ich vor zwanzig Jahren der Psychiatrie begegnete, standen Medikamente, Sport und Ergotherapie im Vordergrund. Gespräche spielten eine sehr geringe Rolle. Mein Wunsch nach einem Gespräch mit einem Arzt in einer Klinik z.B. wurde negativ beschieden: „Sie sind noch nicht so weit“ . Bis zu meiner Entlassung war ich nach seiner Auffassung nicht so weit. Bisweilen gab es in anderen Kliniken Gespräche, z.B. über Zeitungsartikel, um die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Aber das, was mich bewegte, was mir Angst machte, blieb in der Regel außen vor. Dieser – so nenne ich es mal – Sinn meiner psychischen Erkrankung wurde erst im Psychose-Seminar, an dem ich mich Jahre später beteiligte – zum Thema. Und dort, in Konfrontation mit anderen Psychose-Erfahrenen mit bisweilen ganz anderen Erlebnissen und Interpretationen der eigenen Psychose, Manie etc.
Ganz wichtig war dabei auch, die Sichtweise von Profis und Angehörigen kennenzulernen. Manch einseitige Wahrnehmung relativierte sich.
Zur selben Zeit wie meine Psychiatrie-Aufenthalte veröffentlichte Dorothea Buck ihren Erlebnisbericht „Auf der Spur des Morgensterns“. Zum ersten Mal wurde das Psychoseerleben zum Gegenstand, wurde wichtig, machte Sinn. Ein Meilenstein in der Geschichte eines sinn-vollen Umgangs mit eigenem Psychose-Erleben. Ein Buch, das Generationen von Psychose-Erfahrenen zum Nachdenken über Ihre Erfahrungen angeregt hat.
Mehr als zwanzig Jahre später machen sich zwanzig Männer und Frauen wieder auf die Suche nach ihrem besonderen Sinn des Psychose-Erlebens. Zwanzig Erfahrungen, das sind zwanzig verschiedene Interpretationen, zwanzig verschiedene Sinne des Psychose-Erlebens.
Worin sehen die AutorInnen den Sinn ihrer Psychose?
Für Martina Gerdes artikulierte sich in der Psychose ihr Wunsch nach Liebe. Das, was ihr im Leben, insbesondere in der Kindheit, so fehlte.
Für Reinhard Wojke war die Psychose ein Wegweiser, nach sich selbst, nach seiner eigentlichen Identität zu suchen.
Auch Anja Hesse hat die Psychose zu sich selbst zurückgeführt, sie hatte ihren Weg zu weit verlassen.
Peter Mannsdorff sieht in seiner Erkrankung vor allem eine Chance zu etwas Neuem.
Anna P. lebt heute – nach der Psychose – wieder bewusster, kann wieder staunen.
Stephan Eberle spricht von einer Erleuchtung, die er in der Psychose erlebte. Solche spirituellen Bezüge kennen viele Menschen mit Psychose-Erfahrung.
Elisabeth T. lernte durch die Psychose, mehr auf sich Rücksicht zu nehmen, auf sich und ihren Körper zu achten, nicht nur an andere zu denken.
Das sind nur einige Beispiele dafür, was man in diesem Buch finden kann.
Den Sinn der Psychose gibt es nicht. Jede/r erlebt die Psychose anders, muss seinen individuellen Sinn finden. Aber dieses Buch kann anregen zur eigenen Sinnsuche. Kann helfen sinn-volle Fragen zu stellen an die eigene Psychose.
Wem möchte ich dieses Buch empfehlen?
Zunächst den Psychose- und Psychiatrie-Erfahrenen selbst. Nichts ist schlimmer als das Gefühl des Ausgeliefertseins an eine Erkrankung, die man nicht versteht, die keinen Sinn macht. Die Vielfältigkeit der Erfahrungen und Interpretationen kann zur Auseinandersetzung mit eigenem Psychose-Erleben anregen.
Für viele Angehörige ist die Psychose ihres Lebenspartners, Kindes etc. wie eine fremde Welt. Von anderen Psychose-Erfahrenen über ihr Erleben zu lesen, kann helfen zu relativieren. Ihr Sohn, ihr Partner hat nicht als Einziger diese Art des Wahrnehmens und Erlebens.
Und die Profis? Vielleicht gewinnen sie nach dieser Konfrontation mit ganz unterschiedlichem Psychose-Erleben und Sinnsuchen das Interesse, in einem Gespräch mit ihren Patienten auf die Sinnsuche in deren ganz besonderem Psychose-Erleben zu gehen.

Verena Liebers in: Eppendorfer – Zeitung für Psychiatrie:
Das bunte Bild der Psychosen
20 Betroffene entschlüsseln den Sinn ihrer Psychose – und geben damit wichtige Impulse

Am Fernseher herumzuschrauben, nur weil einem das Programm nicht gefällt, käme wohl niemanden in den Sinn. Mit diesem plastischen Bild vergleicht Autor Stephan Eberle das Vorgehen von Ärzten, die ausschließlich auf Medikamente vertrauen, wenn sie psychotische Patienten behandeln.
Zwölf Frauen und acht Männer, die den Sinn ihrer Psychose entschlüsselt haben, kommen in dem liebevoll von dem erfahrenen Publizisten und Diplompsychologen Hartwig Hansen zusammengestellten Band zu Wort. Der Begriff „Psychose“ enttarnt sich in den einzelnen Beiträgen als Zusammenfassung für vielfältige Erfahrungen, die ebenso bedrohlich wie tröstlich sein können. In den Schilderungen wird deutlich, dass belastende Lebenserfahrungen – von Missbrauch über Trennung bis hin zu Einsamkeit – zum Auslöser für die seelische Krise werden können. Die immer wieder angesprochene Sehnsucht nach der Psychose speist sich außerdem mitunter aus dem durchaus verständlichen Wunsch, dem Alltag zu entfliehen. Immer wieder klingt auch an, dass die Betroffenen ihre Gefühle nicht ernst genug genommen haben. Gerade negativ besetzte Empfindungen wie Wut, Angst, Hass und Neid wurden zur Seite geschoben. Im Vordergrund stand eher der Wunsch, stark und gut zu sein und der Versuch, die Welt auf diese Weise zu verbessern. Die Psychose lässt sich dann auch als Ruf nach Ganzheitlichkeit verstehen. Die Welt ist nicht nur schwarz oder weiß.
Für den, der die Ambivalenz nicht erträgt und sich zwischen Realität und Traum verläuft, gilt die Psychiatrie als Anlaufstelle. Doch die Hilfslosigkeit macht auch vor Krankenhaustüren keinen Halt. Das bunte Erscheinungsbild von Psychosen, das scheinbar wirre Verhalten der Betroffenen, stellte Ärzte lange Zeit vor unlösbare Probleme. Jahrzehntelang waren Einsperren und medikamentöses Ruhigstellen wesentliche Arbeitsmittel der Psychiater. Die Autoren berichten eindrücklich davon. Auch klingt in mehreren Beiträgen an, dass die Betroffenen eine vertrauenswürdige Anlaufstelle für religiöse Gespräche vermisst haben. Sie appellieren an die Psychiatriemitarbeiter, den Glauben nicht auszuklammern. Niemanden stehe es zu, Religion als Wahn zu deuten.
Wenn die Realität unerträglich ist, mag das Abschirmen und Beruhigen im Krankenhaus tatsächlich ein erster Schritt zur Genesung sein. Aber die Ursachen des fremdartigen Verhaltens, des Leids, der Ängste lassen sich so kaum herausfinden. Erst seitdem Psychiatrie-Erfahrene und ihre Angehörigen es zunehmend wagen, über ihr Erleben und ihre Erfahrungen zu sprechen, können Mediziner dazulernen. Mehr noch als in anderen medizinischen Bereichen, ist die Kommunikation zwischen Behandler und Erkranktem in der Psychiatrie elementar. Kein Röntgenbild und keine Blutprobe kann erklären, was der Betroffene erlebt. Gerade deshalb sind solche Bücher von psychoseerfahrenen Menschen so wichtig. Sie geben wichtige Impulse, um sinnvolle Heilbehandlungen zu entwickeln.
Psychotherapie und Selbsthilfe schildern die Autoren als wichtige Bausteine, um zu neuer Lebensstabilität zu finden. Sogar eine erfolgreiche psychoanalytische Behandlung wird beschrieben, obwohl das lange Zeit als ungeeignete Methode für psychotisch begabte Menschen galt.
Die Verfasser zeigen mit dieser Anthologie, dass ein Leben mit und nach Psychosen möglich und keinesfalls nur schrecklich ist. Allein die Liste der biografischen Notizen zu den Autoren enthüllt schillernde Persönlichkeiten, die in vielen Bereichen aktiv und dem Leben zugewandt sind. Die einzelnen Beiträge dokumentieren darüber hinaus, dass es psychoseerfahrene Menschen gibt, die sich wortgewandt und klar ausdrücken können. Folglich lesen sich manche Schilderungen wie spannende Kurzgeschichten. Es liegt in der Natur des Themas, dass manche Beiträge etwas verwirrend sind. Hier geht es nicht um klar strukturierte Rezepte, sondern um individuelle Blickwinkel und Lebensläufe. Die verschiedenen Strategien, um Probleme zu lösen, machen in jedem Fall Mut, den eigenen Weg trotz Hindernissen zu suchen und zu gehen.
Den Sinn seiner Psychose sei die Liebe, bringt es Jan Michaelis auf den Punkt. Erst in den Krisenphasen zeigte sich die tiefe Beziehung zu seiner Frau, die ihn – im Gegensatz zu den Ärzten – auch in entgleisten Ausnahmezuständen noch erreichen konnte. Dieses Beispiel zeigt ebenso wie viele andere unmissverständlich, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und in Zeiten der Not weniger eine Respektperson im weißen Kittel braucht als vielmehr einen Menschen, der mit ihm fühlt.
Letztlich gibt es keine allgemeine Patentlösung zur Gesundung, ob mit oder ohne Medikamente. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, um das Fernsehprogramm im Kopf in eine zufriedenstellende Sendung zu verwandeln.
Das Buch ermutigt dazu, der eigenen Entwicklung auch in scheinbar aussichtslosen Situationen Raum zu geben. Darüber hinaus finden sich in den Texten zahlreiche kluge Hinweise, die zukünftig die Psychiatrie verbessern könnten.

Fünf-Sterne-Rezension von Ursula Talke auf amazon.de:
Wissenswertes für Outsider
Absolut ungeeignet fühl ich mich, dieses Buch zu rezensieren. Vom Herausgeber gefragt, habe ich zugesagt. Ich versuch es trotzdem mal - fühl mich wie ein Konditormeister, der die Torten der Konkurrenz beschreiben soll - und muss höllisch aufpassen, jetzt nicht die einundzwanzigste Geschichte zu schreiben zu diesem bemerkenswertem Buch, in dem zwanzig Autoren ihre Biographie oder Teile davon preisgeben. Der Sinn ihrer Psychose - welchen Sinn haben Krankheiten im Leben - oder das, was man dafür hält? Sie alle haben einen Sinn gefunden, beschreiben, wie ihr Leben verlaufen ist, erzählen vom Auf und Ab, von Psychiatrie-Erfahrung, vom Gesunden, von ihrer Spiritualität, von schlimmem Zeiten und wie sie überwunden wurden. Von Weltrettungsideen ist die Rede (ist das eine Krankheit?) von der Begegnung mit Engeln.... vom Wahn (was ist das?), von guten, Kräfte bringenden Anteilen.
Sie alle haben mit der Psychose ihren Weg gefunden, können ihre Biographie annehmen, einige machen eine Peer-Arbeit oder sind in der Selbsthilfe aktiv.
Es gibt so viele Psychosen, wie es Menschen mit Psychosen gibt und jeder Schub ist wieder anders. Es gibt kein absolutes Erklärmodell, keine gesicherte Behandlung, kein allgemeingültiges Rezept - das muss jeder für sich alleine herausfinden, wie es am besten geht, mit oder ohne Unterstützung von Angehörigen, Freunden, dem Hilfesystem.
Das Buch ist eine wahre Fundgrube an Besonderheiten, mit manchen Geschichten konnte ich nur eher wenig anfangen, anderes kommt mir wie aus dem Herzen.
Es ist eine geballte Essenz von Erfahrungswerten, dichtgedrängt, fast nicht nachvollziehbar, wenn man berücksichtigt, was da an gelebtem Leben, Leiden, Wachsen, Werden alles drinsteckt - und eigentlich kann man nur glücklich sein, dass so viele es doch wagen, mit all dem an die Öffentlichkeit zu gehen.
Wie ist dieses Buch für Otto Normalverbraucher, der das Wort Psychose" schon mal von weitem gehört hat? Wird er es überhaupt in die Hand nehmen? Oder bleibt es in Fachkreisen stecken?
Erfährt der Leser, was eine Psychose ist? Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, viele Kommentare zu diesem Buch zu sammeln - von Nicht-Betroffenen, von Unwissenden....
... und ein neues Buch daraus zu machen! Na?

Fünf-Sterne-Rezension von Lisa Müller auf amazon.de:
Tolles Buch
Vielen Dank für dieses wunderbare Buch. Jetzt fühle ich mich nicht mehr so alleingelassen.
Als seit zwei Jahren ebenfalls Psychose-Betroffene konnte ich endlich Parallelen zu mir selbst finden. Schön, dass es auch andere Menschen gibt, die in ihrer Psychose einen Sinn gefunden haben und diese nicht nur als negativ und behandlungsbedürftig abtun.
In der schulmedizinischen Literatur habe ich so gut wie gar keine Ähnlichkeiten zu meinem psychotischen Erleben gefunden. Dort wird nur von sinnlosen Verfolgungsideen geredet, ich jedoch hatte, wie auch von vielen Autoren im Buch beschrieben, Sequenzen eines höheren spirituellen Bewusstseins erlebt. Glücklicherweise gibt es das Internet und so fand ich relativ schnell heraus, dass Psychosen in Wirklichkeit oft spirituelle Krisen sind.
Ich kam inzwischen zu fast den gleichen Schlussfolgerungen wie der Autor Stephan Eberle, beim Lesen musste ich stellenweise lachen, so viel Ähnlichkeit. Auch ich habe mittlerweile erkannt, nur dem Ego gefolgt zu sein und mich dabei verstrickt zu haben. Bücher von David Hawkins, auch ein Lehrer von „Ein Kurs in Wundern“ haben mir sehr geholfen. Aber auch bei anderen Autoren / Autorinnen fand ich Parallelen zu mir. (...)


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