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Höllenqual oder Himmelsgabe?

Rezensionen

Joachim Schnackenberg in: Dr. med. Mabuse:
Mit diesem Buch über die Erfahrungen von Menschen, die Stimmen hören (können), ist dem Herausgeber Hartwig Hansen ein einzigartiger Beitrag zur Recovery-Literatur gelungen. Er lässt nämlich – in Deutschland bisher einmalig – achtzehn Stimmen hörende Frauen und Männer selbst zu Wort kommen. Deren authentische Berichte vermitteln nicht nur eindrücklich, wie vielfältig und facettenreich, sondern auch wie begeisternd und/oder quälend die Erfahrung des Stimmenhörens sein kann.
Das Phänomen des Stimmenhörens hat nicht nur in der Öffentlichkeit bisher einen sehr negativen Ruf. Auch die Psychiatrie ist traditionell nicht gerade dafür bekannt, dass sie etwas Positives zu dieser Erfahrung zu sagen hat. Dort werden Stimmen im Regelfall als ein nicht verstehbares Symptom einer psychischen Erkrankung, insbesondere der Schizophrenie, beschrieben, das mit Neuroleptika zu unterdrücken ist. Betroffenen wird in der Psychiatrie meist nicht wirklich zugehört, auch wenn wir als Fachleute meinen, dass wir es tun. Dass wir aber als Profis, Angehörige und Öffentlichkeit tatsächlich nicht richtig zuhören, das sagt uns nicht erst die internationale Stimmenhörbewegung der letzten drei Jahrzehnte.
Stimmenhören muss allerdings nicht nur Höllenqual sein, sondern kann auch inspirieren und als Gabe empfunden werden, wie im Beitrag von Wolfgang Harder deutlich wird. Monika Mikus beschreibt beispielhaft, wie es sich als bereichernde Möglichkeit spiritueller Erfahrungen erweisen kann. Bei manchen AutorInnen weisen die Stimmen auf die Notwendigkeit hin, besonders schwierige Lebenserfahrungen verarbeiten zu lernen. Gerade mit Unterstützung der Selbsthilfeorganisation „Netzwerk Stimmenhören“ hat sich für viele Stimmenhörende das konstruktive Verstehen des Stimmenhörens immer wieder als Quelle einer wirklichen und tiefgreifenden, positiven Veränderung erwiesen. Der Autor Elias beschreibt am Ende des Buches besonders eindrücklich, wie er mit Unterstützung einer Mitarbeiterin des Institutes Erfahrungsfokussierte Beratung (efc) einen neuen, konstruktiven Zugang zu seinen Stimmen fand, und wie die Stimmen selbst ihn darauf hinwiesen, dass er sich besser um sich selbst kümmern müsse. Durch einfühlsame professionelle Begleitung sowie durch den Austausch in der Selbsthilfe gelingt es Stimmenhörenden, einen zumindest gangbareren, individuellen Weg zu finden, wie Christian Derflinger und Laura Vogt exemplarisch nachvollziehbar machen. Nach anfänglichem „Wegmachenwollen“ werden die Stimmen zu Begleitern oder sogar Freunden, die nicht mehr gehen sollen und vermisst werden würden.
Einen guten Umgang mit dem Thema Stimmenhören zu finden, der nicht in krankhaftem oder negativem Denken stecken bleibt, ist nicht nur Aufgabe jeder/s einzelnen Betroffenen, sondern auch von uns allen. Auch dies macht das Buch sehr deutlich. Hier geht es um eine Rückbesinnung auf menschliche Qualitäten wie Achtung und Respekt, um Hoffnung und ein gutes Miteinander von Mensch zu Mensch. Dann können die gehörten Stimmen auch von Quälgeistern zu Lösungshinweis-Gebern werden. Das Stimmenhören begreifbar zu machen, ist ein Ziel der erwähnten internationalen Stimmenhörbewegung, zu der auch das Netzwerk Stimmenhören und das efc-Institut gehören. Um diese Sichtweise wirbt der Herausgeber in einem einfühlsamen Vorwort und seiner Zusammenfassung unter dem Titel: „Stimmenhören als persönlicher Fingerabdruck“. Die Qualität der dazwischenliegenden Erfahrungsberichte und Recovery-Geschichten ermutigen zu einem entspannteren und zugewandteren Umgang mit den Menschen, die sich trauen, von ihren Stimmenerlebnissen zu berichten. Bei der spannenden Lektüre entwickelt sich ein Verständnis dafür, dass die Stimmenwelten voller, auch hilfreicher, Möglichkeiten sein können, die uns mit der bisher dominanten traditionellen Krankheitssicht und Stigmatisierung verwehrt bleiben würden.

Astrid Delcamp in: Soziale Psychiatrie:
Ermutigend!
Um es gleich vorwegzunehmen: Selten hat mich ein Buch so beeindruckt und gefesselt, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte, bevor ich alle 18 Erfahrungsberichte zu den Stimmen einschließlich Vor- und Nachwort gelesen hatte.
Ähnlich wie schon im "Brückenschlag", den es ja leider seit diesem Jahr nicht mehr gibt, vermitteln die Autorinnen und Autoren im Spannungsfeld "Höllenqual oder Himmelsgabe" ihre Erfahrungen mit dem Hören (können) von Stimmen.
Das Beeindruckende ist, dass therapeutisch Tätige und das Thema Medikamente in diesen Erzählungen eine Nebenrolle spielen. Im Vordergrund stehen persönliche Lebensgeschichten und der Umgang mit den Stimmen, der vielfältig, eindrücklich und facettenreich vermittelt wird.
Viele der Mitwirkenden kommen aus Berlin. Hier wurden von der 2005 verstorbenen Hannelore Klafki vor fast zwanzig Jahren das "Netzwerk Stimmenhören" und viele andere Selbsthilfegruppen gegründet. Mithilfe dieser Selbsthilfeorganisationen konnten viele Betroffene das "Sich-austauschen" über das Hören von Stimmen und deren Inhalte konstruktiv nutzen.
Im Vorwort gibt der Herausgeber einen kurzen Überblick über die Selbsthilfebewegung mit vielen Literaturhinweisen. In der Psychiatrie werden traditionell die gehörten Stimmen als Symptom einer Erkrankung beschrieben. Sie sollen mit der Einnahme von Neuroleptika unterdrückt werden. Schon bei den zentralen Fragen des Schreibaufrufs wurde deutlich, dass mit diesem Buch ein anderer Weg mit einem anderen Anliegen gegangen werden sollte.
Gefragt wurde, wie die Stimmen ins Leben der Betroffenen kamen, in welchen Situationen sie zu dem Zeitpunkt lebten, worüber und was die Stimmen erzählten, wie die Stimmen das Leben verändert haben, und ob sie eine Botschaft hatten.
Die Antworten sind so verschieden wie die Menschen, die Stimmen hören, und so unterschiedlich wie die Stimmen selbst. Es wird nichts beschönigt, die Geschichten sprechen für sich.
Monika Mikus empfindet das Stimmenhören als bereichernde spirituelle Erfahrung, Barbara Schnegula hört mehrere weibliche und männliche Stimmen, darunter auch die von Angela Merkel und Barack Obama. Tom Seidel beschreibt die Stimmen zuerst als feindselig, verwirrend und schwer auszuhalten. Später empfindet er die Stimmen immer noch als lästig, kann sie aber durch Gebet und Meditation so beeinflussen, dass sie in den Hintergrund treten. Er hat einen "Modus Vivendi" (S. 55) gefunden. Cornelia Hermann beschreibt die Kommentare ihrer Stimme als angenehm. Linda R. beginnt ihren Beitrag mit einem Stimmenprotokoll. Eindrücklich beschreibt sie, wie die Stimmen sie seit der 8. Klasse begleiten und was ihr geholfen hat, das Chaos im Kopf zu ordnen. Rolf Fahrenkrog-Petersen vergleicht die Stimmen mit einem Stalking und schildert eindrucksvoll das Auf und Ab seines Lebenswegs‚ durch das Auftreten der Stimmen bedingt. Laura Vogt sagt, dass die Stimmen nicht ständig anwesend sind. Sie sind mal laut, mal leise und manchmal auch für ein paar Tage ganz verschwunden. Die Beschäftigung mit den Stimmen begreift sie als Chance, sich selbst besser zu verstehen.
Ingrid Krumik weiß genau, dass ihre Mutter zu ihr spricht. Tim Panzer hat Angst vor unangenehmen Konsequenzen‚wenn eine Stimme ihm droht, dass etwas Schlimmes passieren würde. Während Wolfgang Harder das Hören von Stimmen mit einer Flugreise vergleicht, wählt Vera Erden ein anderes Bild: "Zwei Zimmer sind durch eine Tür getrennt, ich bin in meinem Zimmer und Elliot ist in seinem. Elliot kommt einfach durch die Tür herein, ohne anzuklopfen‚ und redet auf mich ein. Mein Kopf ist also kein verschlossener Raum mehr, ich habe keine Privatsphäre mehr. Ich kann die Tür nicht schließen. Ich muss mit meinem ungebetenen Gast leben, und das ist anstrengend für mich." (S. 24)
Aufgrund von negativen zwischenmenschlichen Erfahrungen schätzt Barbara Urban die Begleitung ihrer Stimmen und Andreas Gehrke plädiert in seinem Beitrag dafür, die Stimmen zu Freunden zu machen. Die Stimme von Christian Derflinger heißt Horst. Er ist ihm ein treuer Begleiter geworden.
Elias hat durch das "Netzwerk Stimmenhören" große Unterstützung erfahren und übt mittlerweile selbst eine Beratertätigkeit aus. Regina Hildegard vergleicht die Kommunikation mit den Stimmen mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Für Xenia ist es wichtig, Grenzen ziehen zu lernen und sich nicht zu überfordern. Frank Dahmen engagiert sich in der Selbsthilfe und hat mit dem kreativen Schreiben angefangen.
Allen Beiträgen ist eines gemeinsam: Sie geben keine klare Antwort auf die Frage, wie mit den
Stimmen umzugehen ist und was sie bedeuten. Die Leser und Leserinnen werden ermutigt, sich den vielfältigen Möglichkeiten im Umgang mit dem Phänomen des Stimmenhörens zu öffnen und Handlungsspielräume zu entdecken. Und vor allem die Inhalte zu erfragen. In seinem Nachwort fasst Hartwig Hansen es so zusammen: "Die einen können mit den Stimmen etwas aushandeln und Einfluss auf sie nehmen, sich von ihnen abgrenzen. Andere beschreiben in ihren Texten, dass eben genau das (noch) nicht geht.
Durchgängig wird in den Beiträgen davon berichtet, dass der Austausch mit anderen (erfahrenen) Menschen über das eigene Stimmenhör-Erleben befreiend und hilfreich war. Diese eindrücklich geschilderten Erfahrungen führen die sich hartnäckig haltende psychiatrische Lehrmeinung, es sei aussichtslos und kontraproduktiv, über die Inhalte der Stimmen zu sprechen, überzeugend ad
absurdum." (S.199)
Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Außer der Empfehlung‚ dieses spannende und lehrreiche Sachbuch aus der Reihe "Erfahrungswissen" des Paranus-Verlags zu kaufen. Es verhilft zu einer differenzierten Betrachtungsweise des Phänomens "Stimmenhören". Die Sammlung ist hervorragend geeignet zur Ausbildung von Studierenden und wichtig für alle psychiatrisch Tätigen zum besseren Verständnis. Ein Muss zum Thema Recovery.

Rezension von Sibylle Prins, Bielefeld:
Ausgesprochen tiefe Einblicke ins Seelenleben mit Stimmen
Wenn ich Sammelbände lese, lasse ich mir normalerweise viel Zeit zwischen den einzelnen Beiträgen. Manchmal muss ich mich regelrecht dazu durchringen, weiterzulesen. Bei diesem neuen Buch aus der Erfahrungen-Reihe des Paranus Verlages war das anders: zwar musste ich nach jedem Beitrag eine kurze Pause einlegen, um das Gelesene „sacken“ zu lassen. Aber ich war geradezu begierig darauf, den nächsten Text zu lesen. Achtzehn Erfahrungsberichte von Menschen, die Stimmen hören, sind hier versammelt. Was sich so einheitlich anhört, was psychiatrischerseits lediglich als Krankheitssymptom angesehen und medikamentös bekämpft wird, stellt sich hier ganz anders dar: als eine außergewöhnliche Erfahrung, die höchst individuell ausfällt und ebenso individuell von den stimmenhörenden Menschen verarbeitet wird.
Einige erkennen in den Stimmen Personen oder Ereignisse aus ihrer (schlimmen) Vergangenheit. Andere sehen darin eigene Persönlichkeitsanteile, die normalerweise ausgeblendet werden und die sich auf diese Weise zu Wort melden. Wieder andere sehen in den Stimmen Wesen aus anderen Welten (und wer kann beweisen, dass es diese anderen Welten nicht gibt?).
So persönlich und unterschiedlich sind die Erfahrungen, dass eine der Autorinnen von einem „persönlichen Fingerabdruck“ spricht – ein Motiv, das der Herausgeber Hartwig Hansen in seinem Nachwort aufgreift, in dem er die einzelnen Aussagen (manchmal geradezu konträren – wie es auch der Buchtitel schon nahelegt) nebeneinanderstellt und Gemeinsames wie auch Trennendes benennt und das Buch mit einem sehr schönen Gedicht von C. Nissen zum Stimmenhören beschließt.
Etliche der stimmenhörenden Autor/inn/en haben sich auf die Suche gemacht nach der eigentlichen „Botschaft“ der Stimmen: Was wollen sie ihnen sagen? Es wird aber gleichzeitig auch klar, dass das nicht mit einer „Kurzschlusspsychologie“ möglich ist. So schreibt Vera Erden (S. 26): „Ich bin innerlich zerrissen, wenn Menschen denken, dass die Stimmen meine eigenen Gedanken sind.“
Viele der Autor/inn/en hatten aufgrund des Stimmenhörens Kontakt mit der Psychiatrie, die nur selten als hilfreich erlebt wurde, manchmal alles noch schlimmer machte. Profitiert haben die meisten vom Austausch mit anderen Stimmenhörenden und der Arbeit des Netzwerks Stimmenhören, das auch zu Mitarbeit zu diesem Buch aufgerufen hatte.
Erleichtert war ich, dass in dem Buch nicht nur „Gewinnergeschichten“ enthalten sind, sondern auch mal jemand schreibt, es sei ihm/ihr nicht gelungen, die Stimmen zu steuern oder mit ihnen in einen Dialog zu treten oder gar ihre tiefere Bedeutung zu entschlüsseln. Dass es ihm oder ihr schlecht geht mit dem Stimmenhören. Andere aber möchten ihre Stimmen nicht mehr missen. Hochinteressant fand ich, dass einige schreiben, sie hätten von ihren Stimmen, und zwar gerade von den negativen, viel gelernt.
Ich fand das Buch faszinierend zu lesen: das Thema Stimmenhören wirkt hier wie ein Brennglas, durch das Menschen die Leser/innen sehr intensiv an ihrem Innenleben teilhaben lassen. Ein Buch, in dem man solche tiefen Einblicke in das Seelenleben der Verfasser/innen bekommt, habe ich selten gelesen. Dass es für die stimmenhörenden Verfasser/innen nicht immer leicht war, über ihre Stimmen zu schreiben bzw. sich mitzuteilen, geht u.a. aus dem Vorwort hervor, in dem auch die Geschichte der Idee zu diesem Buch (ursprünglich angeregt von Andreas Gehrke, dem Verfasser von „Aufbruch aus dem Angstkäfig – Ein Stimmenhörer berichtet“) erzählt wird.
Das Buch sollte zur Pflichtlektüre für Psychiater/innen werden – und zwar in der Ausbildung, nicht erst, wenn die werten Damen und Herren in Rente sind und sich gegen die Langeweile auch mal etwas „Betroffenenliteratur“ zu Gemüte führen. Ich wünsche diesem Buch wirklich viele Leser/innen: Stimmenhörende, damit sie erkennen, dass sie mit ihrem Erleben nicht allein sind und dass Stimmenhören nicht immer und nicht nur „Höllenqual“ bedeuten muss. Professionelle Helfer, damit sie mit den Stimmenhörerenden besser ins Gespräch kommen. Und Nicht-Stimmenhörende, damit sie dieses Phänomen aus erster Hand kennenlernen können und Vorurteile und Stigmatisierung abgebaut werden. Welcher Gruppe die Leser auch angehören mögen – es erwartet sie ein beeindruckendes Leseerlebnis!

Verena Liebers in: Eppendorfer:
Den Stimmen eine Stimme geben
18 Stimmenhörer erzählen ihre persönliche Lebensgeschichte –und das tut ihnen gut

Ich höre was, was du nicht hörst – das ist das Credo der Stimmenhörer. Obwohl kein leibhaftiger Gesprächspartner vorhanden ist, redet jemand mit ihnen. Das Spektrum reicht von Dialogen über Monologe bis hin zu Beschimpfungen oder Ermutigungen. Stimmen zu hören sei krank, glauben viele Menschen. Für Ärzte gelten akustische Halluzinationen als wichtiges Symptom für Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. Als klassische Behandlung gilt in der Psychiatrie die Einnahme von Medikamenten. Ziel ist es dabei, die irrealen Stimmen zu unterdrücken.
Der Hamburger Therapeut und Autor Hartwig Hansen hat erschüttert festgestellt, dass viele Patienten von ihren Ärzten oder überhaupt niemals gefragt werden, was die Stimmen sagen oder was sie für den Betroffenen bedeuten. Dabei gibt es seit fast 20 Jahren das „Netzwerk Stirnmenhören“ und zahlreiche Selbsthilfegruppen, die sich mit diesem Phänomen befassen. Wer Stimmen hört, ist damit nicht allein. Viele Menschen haben bereits herausgefunden, dass es heilsamer für sie ist, ihre Wahrnehmung nicht zu unterdrücken.
Der erfahrene Publizist Hartwig Hansen hat deshalb einen Band zusammengestellt, in dem 18 Stimmenhörer ihre persönliche Lebensgeschichte erzählen. Als gemeinsames Resümee gilt für alle Berichte: Es ist wichtig, die Stimmen anzunehmen, sich in gewisser Weise mit ihnen anzufreunden. Allen Erzählenden hat es gut getan, wenn sie jemandem über ihre Stimm-Erlebnisse berichten konnten. Das ist nicht so leicht, da die Betroffenen häufig stigmatisiert werden.
Alle Stimmenhörer‚ die in diesem Buch zu Wort kommen, hatten keinen wirklich leichten Start ins Leben. Sie wurden geschlagen, von den Eltern verachtet, erlebten Zeiten von Armut, wiederholte Psychiarieaufenthalte, Selbstmordversuche und Depressionen. Ein Bezug der Stimmen zu traumatischen Erlebnissen und zu Stress ist oft naheliegend. Aber eine einfache Ursache-Wirkungs-Kette lässt sich in diesem Bereich nicht aufstellen. Entsprechend gibt es keinen Lösungsweg, der für alle gültig ist. Während therapeutische Gespräche für manche hilfreich sind, schildern andere, wie sich die Stimmen dadurch verstärken. Einige Stimmenhörer haben das Ziel, ohne die Stimmen zu leben. Andere wollen sich nur arrangieren oder betrachten die Stimmen als Begabung und Hilfe in schwierigen Situationen.
Das Buch ist frei von Fachsprache und reich an persönlichen Schilderungen der einzelnen Autoren. Wer eine klare Antwort sucht, was Stimmen bedeuten und wie damit umzugehen ist, wird hier allerdings nicht bedient. Das Buch ermutigt vielmehr dazu, dass jeder seinen persönlichen Weg erforscht, und ruft Ärzte und Therapeuten dazu auf, sich für Berichte aus dem Stimmenreich zu öffnen, statt sie nur als lästiges Symptom zu verteufeln.
Letztlich mahnt das Buch auch zu Bescheidenheit, denn die Autoren haben zwar im Wesentlichen ihren Weg gefunden, sind aber vielfach auch berentet‚ nehmen Medikamente und/oder beklagen ihre Einsamkeit.
Besonders eindringlich schildert Rolf Fahrenkrog-Petersen seine Biografie. Nach seiner Befreiung aus Alkoholismus und langer Obdachlosigkeit gelang ihm ein nahezu märchenhafter Aufstieg. Er feierte Erfolge am Theater und beim Film und war selbstständig. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere stürzte er aber wieder in eine tiefe Krise. Inzwischen lebt er weniger aufregend, aber dadurch zufriedener. Ein erfüllendes Leben ist eben auf verschiedene Weise möglich.
Stimmen zu hören, kann ein Teil davon sein.

Christian Burr, Bern, in Psychosoziale Umschau:
Zuhören bitte
Zwischen 5–15 % aller Menschen auf dieser Welt hören mindestens einmal in ihrem Leben Stimmen, die nicht auf eine entsprechende Reizquelle zurückzuführen sind. Viele davon leben gut mit diesen, ohne jemals Probleme zu haben oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei Psychosen und Schizophrenie gelten diese jedoch als ein Hauptsymptom der Erkrankung, das die Ärzte meist mit Neuroleptika zu unterdrücken versuchen. Bei einem Drittel bis einem Viertel der betroffenen Personen gelingt dies nicht. Trotzdem wird wenig über die Inhalte und die Erklärungen der betroffenen Personen gesprochen, was den Betroffenen zumeist ein Anliegen ist, schließlich ist es nicht einfach, die Stimmen einzuordnen. Hier setzt das Buch von Hansen an. Es beinhaltet achtzehn Erfahrungsberichte von Menschen, die Stimmen hören. Diese werden gerahmt von einer Einführung, die die Wichtigkeit dieser Erfahrungen betont, und einem Nachwort, in dem sehr detailliert verschiedene Aspekte des Erfahrungswissens beleuchtet werden.
Alle Erfahrungsberichte beruhen auf den gleichen Fragen, die der Herausgeber den Stimmenhörenden gestellt hat. Die Geschichten werden dennoch auf sehr unterschiedliche Art und Weise erzählt. Sie variieren nicht nur in Stil und Länge. Wie der Titel »Höllenqual oder Himmelsgabe« impliziert, sind auch die Inhalte und Folgerungen, die die Erfahrenen aus ihren Erlebnissen ziehen, sehr unterschiedlich. Wobei die Geschichten mehr Dazwischenliegendes vermitteln als das Entweder-oder des Titels.
Beeindruckend ist die Palette an verschiedenen Umgangsformen, die die Personen gefunden haben, mit den Stimmen umzugehen. Da ist z.B. Vera Eden. Sie hat beschlossen, ihrer Stimme einen Namen zu geben: Eliot. Damit ist ihr die Stimme ein echteres Gegenüber geworden. Eliot spricht dauernd auf sie ein und es kommt ihr so vor, als möchte er aus ihr einen besseren Menschen machen. Auch sie spricht mit ihm. Etwas auszuhandeln ist aber sehr schwierig und bisher nicht gelungen. Trotzdem schreibt sie, sind die guten Phasen mit der Zeit häufiger geworden. Sie empfiehlt anderen, den Stimmen und dem Ärger durch die Stimmen nicht mit Aggression zu begegnen, sondern mit Schlauheit. Dies kann bedeuten, Eliot mit Argumenten aus der Fassung zu bringen oder ihn nach positiven Situationen zu loben.
Tom Seidel hat gelernt hat, die Stimmen mit Gebet und Meditation zu beeinflussen. Trotzdem ist es nicht so, dass sie aufhören, wenn er dies befiehlt. Musizieren und selbst Stimmen und Töne erzeugen, ist für ihn sehr hilfreich.
Gemeinsam sind allen Interviewten die negativen Erfahrungen in der Psychiatrie. Die Behandlung, die vor allem auf die nicht wirksame medikamentöse Therapie fokussierte, verhinderte meist auch das von so vielen als hilfreich empfundene Gespräch über die Stimmen und deren Inhalte. So berichtet zum Beispiel Tim Panzer, dass er erst aus der Psychiatrie entlassen wurde, als er aufhörte, über die Stimmen zu sprechen und angab, keine mehr zu hören.
Die Summe der Geschichten ermöglicht nicht Stimmen hörenden Menschen ein besseres Verständnis des Phänomens Stimmenhören und damit einen besseren Zugang zu den betroffenen Personen. Dies kann für Angehörige wie auch für Fachpersonen sehr hilfreich sein, um ungute Gefühle wie Ängste gegenüber den Stimmen abzubauen und Mut zu entwickeln, den stimmenhörenden Personen und den Stimmen offener zu begegnen. Das zeigt aber auch, dass das Zuhören (oder Lesen) und Verstehen solch individueller Geschichten anspruchsvoll sein kann. Trotzdem sollte es als Ansporn verstanden werden für mehr Zuhören und Verständnis zu Hause, in der Gesellschaft wie in der Psychiatrie.
Stimmen hörenden Menschen bietet das Buch die Möglichkeit, einen ersten Schritt aus der Isolation zu finden, zu merken, dass da andere sind, die auch Stimmen hören. Und die breite Palette an verschiedenen Fertigkeiten und Formen im Umgang mit den Stimmen kann dazu animieren, Neues auszuprobieren im Umgang mit den Stimmen.

Andreas Manteufel, Bonn, in Zeitschrift für Systemische Therapie und Beratung:
Bei Paranus sind zwei Bücher erschienen, die in bester Verlagstradition die Stimme subjektiver Erfahrung zu Wort kommen lassen. Das erste Buch vereinigt Beiträge von Angehörigen psychisch Kranker, im zweiten Fall geht es um das „Stimmenhören“, aber keineswegs nur unter dem Aspekt, „Symptom einer schizophrenen Psychose“ zu sein.
Es ist den Herausgebern gelungen. sehr persönliche und prägnante Texte einzuholen, über deren Inhalte man häufig nur staunen kann. Einerseits darüber, was sich in mancher Lebensgeschichte Unglaubliches an Belastungen anhäuft. Andererseits, wie es Menschen gelingen kann, aus schwierigsten Bedingungen heraus eine lebenswerte Lage zu schaffen.
In diesem Sinne dienen beide Bücher als „Ermutigung“.
Während sich die Bedeutung von uns „Professionellen“ im Lichte dieser Berichte erheblich relativiert, wird von beiden Autorengruppen der Austausch untereinander, also mit Menschen, die Gleiches oder Ähnliches erleben und bewältigen müssen, hervorgehoben. Für Angehörige psychisch Kranker sind diese Kontakte häufig der Schlüssel für eine Neubesinnung, bei der dann das Thema der eigenen Belastungsgrenzen in den Vordergrund rückt. Das „Loslassen-Können“ (nicht Fallen-Lassen) eröffnet neue Spielräume für Eigenständigkeit und Lebensqualität. Das gilt übrigens auch für die kranken Angehörigen. Mich beeindruckt die Schilderung einer Mutter, die sich die allergrößten Gedanken darüber machte, wie sie ihrer erwachsenen, psychisch kranken Tochter klar machen könne, dass sie dieser nun nicht mehr immer und überall zur Verfügung stehen wolle und dass ihre Tochter Verantwortung für sich selbst übernehmen müsse. Als sie diese Botschaft endlich formulieren konnte, reagierte die Tochter überraschend gelassen, denn: „Das sei in Ordnung, meinte sie, ich hätte Recht“ (S. 122).
In allen Beiträgen wird nichts beschönigt, es sind keine Geschichten wundersamer Heilungen. Es geht nur darum, was gelingen kann, wenn Gefühle wie Ohnmacht, Schuld und Scham nicht mehr verdrängt, sondern offen ausgesprochen oder aufgeschrieben werden.
Dass Stimmenhören nicht nur ein zu beseitigendes Symptom von Psychosen ist, verraten die Beiträge im Band "Höllenqual oder Hi1nmelsgabe?". Auch hier spielen Ärzte, Therapeuten und Medikamente eine Nebenrolle, manchmal eine hilfreiche, manchmal eine dauerhaft abschreckende. Erstaunlich finde ich, wie viele Stimmenhörer sich offenbar ihrer Gratwanderung zur Psychose bewusst sind. Sie schrecken auch nicht davor zurück, sich zeitweise mit Medikamenten oder Klinikaufenthalten helfen zu lassen, fühlen sich aber dennoch eher als aktive Stimmenhörer und nicht als Patienten.
Für mich als psychologischen Klinikmitarbeiter geben die Autoren selbst die entscheidenden Hinweise, wo therapeutische Ansatzpunkte liegen können. Den einen gelingt es durch viel Übung, ihre Konzentration vom Stimmenhören wegzulenken, z.B. durch Meditation oder Achtsamkeitsübungen. Anderen gelingt es, sich im offenen Dialog mit ihren Stimmen selbstbewusster von deren Einfluss abzugrenzen. Manche akzeptieren die Stimmen in ihrer Funktion als „unbequeme Ratgeber“, einer der Autoren tritt mit ihnen in Verhandlungen, an deren Ende „Regeln für die Stimmen“ stehen, an die sich die akustischen Begleiter auch halten können. Einigen gelingt ein akzeptierender, ja „spielerischer“ Umgang mit ihnen. Nicht die Stimmenhörer, wir Therapeuten müssen mehr hinhören, was Stimmen zu sagen haben. Dann öffnen sich die Türen zu solchen kreativen Bewältigungsmöglichkeiten.
Die Bücher des Paranus-Verlags erweisen sich wieder einmal als Geburtshelfer für den Dialog über das, was schwer zu sagen ist. Wer diese Bücher liest, wird mit Sicherheit ermutigt werden, noch aufnahmebereiter und interessierter zuzuhören.

Alexa Köhler-Offierski auf www.socialnet.de:
Thema: Das Hören von Stimmen, die andere Personen nicht hören, gilt als klassisches Symptom einer Psychose, welches nach üblichem fachpsychiatrischen Verständnis also beseitigt werden muss. Wie aber stellt sich die Situation und das Erleben aus der Perspektive der Betroffenen dar? Der vorliegende Sammelband gibt hierzu einen Einblick.
Herausgeber: Hartwig Hansen hat bereits mehrere Bücher als Herausgeber veröffentlicht, in deren Mittelpunkt die an einer Psychose erkrankten Menschen und/ oder ihre Angehörigen stehen und deren Anliegen es ist, diese selbst zu Wort kommen zu lassen. Damit ist auch der Anspruch des hier zu rezensierenden Buches umrissen.
Entstehungshintergrund: Die Anregung zu diesem Sammelband ging von einem Betroffenen aus, die Idee wurde von dem Herausgeber sowie dem Vorstand des Netzwerkes Stimmenhören aufgegriffen und über das Netzwerk verbreitet. Der gemeinsame Schreibaufruf stellte zentrale Fragen:
Wie kamen die Stimmen in mein Leben?
Worüber erzählten/erzählen sie?
Wie habe ich sie gedeutet und was bedeuten sie mir heute?
Wie habe ich herausgefunden, was sie „mir sagen wollen“?
Hatten/haben sie eine „Botschaft“?
Wie hat sich mein Leben durch die Stimmen verändert?
Gibt es für mich einen Grund oder einen „Sinn“ für mein Stimmenhören in meinem persönlichen Leben?
Wie habe ich dies erkannt?
Wer oder was hat mir auf meinem Weg geholfen?
Was ist mir besonders wichtig im Umgang mit meiner Stimmenhörer-Erfahrung?
Wie geht es mir heute mit alldem? (S. 14)
Aufbau und ausgewählte Inhalte
Der Herausgeber rahmt mit der Einleitung „Zwischen den Polen“ (nämlich Höllenqual oder Himmelsgabe) und dem Schlusswort „ Der persönliche Fingerabdruck“ 18 Berichte von Stimmenhörern und Stimmenhörerinnen, 8 Männern und 10 Frauen, ein. Im abschließenden „herzlichen Dank an die Autorinnen und Autoren dieses Buches“ werden diese kurz vorgestellt, wobei die Unterschiedlichkeit sowohl vom Alter her – zwischen 73 und 32 Jahren – als auch von dem Lebenshintergrund her deutlich wird.
Die unter Entstehungshintergrund aufgeführten Fragen finden sich als Hintergrund für die Berichte. Diese sind so vielstimmig wie die Stimmen selber, es gibt kein verallgemeinerbares Muster. Dennoch ziehen sich bestimmte Erfahrungen durch:
Vor allem wird durchgehend festgestellt, dass ein Interesse für die Inhalte der Stimmen seitens der Fachdisziplin nicht erfahren wurde. Teilweise war der Herausgeber der erste, der nach den Inhalten fragte (S. 12) und das trotz wiederholter auch stationärer Aufenthalte.
Auch wenn die Erfahrungen mit zum Teil wiederholten und lang dauernden psychiatrischen Behandlungen sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich nicht im Fokus stehen, wird deutlich, dass diese teils als belastend, zumindest aber teilweise als wenig hilfreich erlebt werden.
Jede und jeder ist gefordert, seinen ganz persönlichen Weg im Umgang mit seinen/ihren Stimmen zu finden, insbesondere wenn diese anhaltend zu ihm/ihr reden. Dies ist insbesondere deswegen notwendig, weil ein Leben in der gemeinsam geteilten Realität – das, was man den Alltag nennt – und selbst bestimmt eine Art Arrangement erfordern. Hierfür ist der Austausch mit Personen mit gleichen Erfahrungen hilfreich.
Welche Herausforderungen dieses Erleben im Detail bedeutet und wie es den einzelnen gelingt, ist Gegenstand der einzelnen Berichte. Ich greife zwei heraus, obwohl alle Berichte uneingeschränkt lesenswert sind und insgesamt die Vielfältigkeit verdeutlichen.
Christian Derflinger kann präzise angeben, wann seine Stimme, die er Horst nennt, erstmalig auftauchte, womit ein erster psychotischer Schub verbunden war. Inzwischen möchte er Horst nicht mehr missen, auch wenn dieser ihn „vollquassele“. Voraussetzung ist für ihn, dass Derflinger zwischen ihm und sich unterscheiden kann und nur das tue, was er selber wolle. Das Leben ist damit anstrengend, aber auch bereichert.
Laura Vogt beschreibt Stimmen hören so: „Ich vergleiche es mit einem kleinen Radio im Kopf. Zu diesem Radio habe ich keinen Zugang, kann es also nicht ausstellen oder den Sender wechseln.“ Ihre Versuche, mit ihnen zu reden oder Vereinbarungen zu treffen, scheiterten: „. die Stimmen reden, wann es ihnen gefällt.“ (S. 116-117) Sie beschreibt ein aktuelles Erleben folgendermaßen: „Die Stimmen donnerten auf mich ein. Sie surrten wie ein Insektenschwarm um mich, unwahrscheinlich viele und extrem laut. Sie redeten wild und hektisch durcheinander, sodass ich kein Wort verstehen konnte. Sie sprachen tonlos, als würden sie flüstern, aber in einer immensen Lautstärke.“ Auch wenn Vogt die Stimmen häufig nicht versteht, ist sie zu folgendem Schluss gekommen: „Ich begreife, dass die Stimmen Dinge in Worte hüllen, für die ich keine Worte fand; Dinge, die ich mir selbst nicht eingestehen möchte, die aber ein Teil von mir sind; Bedürfnisse, die ich mich nicht auszusprechen getraute. Sie waren in einer Zeit Begleiter, als ich in der realen Welt von wichtigen Bezugspersonen verlassen wurde.“ (S.124) Daraus resultiert die Aufforderung an uns Nicht-StimmenhörerInnen: „Offenes und ehrliches Interesse oder auch einfach nur für jemanden da zu sein vermag enorm viel zu bewirken.“ (S. 125).
Diskussion: Höllenqual oder Himmelsgabe? fragt der Titel dieses Bandes nach den Erfahrungen von Stimmen hörenden Menschen. Es wird deutlich: es kann beides und einiges dazwischen sein und stellt für jede und jeden eine ganz persönlich zu bearbeitende Herausforderung dar. Neben der inhaltlichen Vielfältigkeit ist herauszuheben, dass Stimmen zu hören weder idealisiert noch verdammt wird, sondern als persönliche Möglichkeit, als „persönlicher Fingerabdruck“, gesehen werden kann. Die Publikation fordert heraus, sich für diese persönlichen Welten zu interessieren, sei es indem man die Berichte liest, sei es, indem man sich im Kontakt mit Betroffenen diesen Seiten nicht verschließt, sei es, dass sie Betroffene anregt zu prüfen, inwieweit sie Anregungen aus den Berichten anderer Betroffener entnehmen können. Den Autorinnen und Autoren ist für ihre Bereitschaft zu danken, die Leser und Leserinnen in diesen Prozess hineinzunehmen, der zu einer Enttabuisierung beitragen könnte.
Fazit: In einem vielstimmigen Band werden sehr unterschiedliche Erlebnisweisen und Umgangsformen mit Stimmen hören von Betroffenen vorgestellt und damit auch ermutigt, für diese Seite offen zu sein. In Zeiten, in denen Recovery und Empowerment in der Arbeit mit psychotisch erkrankten Menschen eine besondere Bedeutung bekommen hat, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Kurzum: eine empfehlenswerte Lektüre!
Prof.em Dr. Alexa Köhler-Offierski, berufen für Sozialmedizin, Schwerpunkt Sozialpsychiatrie im Fachbereich Sozialarbeit/Sozialpädagogik der Evangelische Hochschule Darmstadt

Peter Lehmann in FAPI-Nachrichten:
Wie kamen die Stimmen in mein Leben? Was bedeuten sie mir heute? Wie hat sich mein Leben durch die Stimmen verändert? Wer oder was hat mir auf meinen Weg geholfen? Wie geht es mir heute mit allem? Antworten auf diese und noch viele weitere wichtige Fragen geben Frank Dahmen, Christian Derflinger, Rolf Fahrenkrog-Petersen, Andreas Gehrke, Wolfgang Harder, Cornelia Hermann, Regina Hildegard, Ingrid Krumik, Monika Mikus, Tim Panzer, Barbara Schnegula, Tom Seidel, Barbara Urban, Laura Vogt und viele mehr.
Wie schon aus dem Titel "Meine Stimmen – Quälgeister und Schutzengel" (2006) des Buches mit den Texten von Hannelore Klafki, der Gründerin des deutschen Netzwerks Stimmenhören, hervorging, können Stimmen von den Betroffenen als positiv interpretiert werden wie auch als quälend. Vieles hängt von einem konstruktiven Umgang und der Möglichkeit ab, sie in das eigene Leben zu integrieren. Andreas Gehrke, von dem im Paranus-Verlag 2003 das Buch "Ausbruch aus dem Angstkäfig – Ein Stimmenhörer berichtet " erschienen ist und der den Anstoß zum neuen Buch gab, plädiert in seinem Beitrag dafür, "... dass Stimmen in jedem Falle zu realen Freunden gemacht werden sollten. Das kompromisslose Beseitigen von Stimmen, etwa durch Psychopharmaka, ist, wie die gängige Praxis in den Psychiatrien beweist, sicher auf Dauer nicht der 'Königsweg'. Erst die Freundschaft zu den Stimmen stärkt und unterstützt die eigene Freiheit."
Ob die anderen Autorinnen und Autoren ihre Freiheit mithilfe der Stimmen erreicht haben, mit welchen Problemen (die sie gelegentlich auch in die Psychiatrie führen) sie zu kämpfen haben, wie sie ihre Stimmen interpretieren und mit ihnen – auch unter Einfluss von Psychopharmaka – umgehen, wie sie unter ihren Stimmen leiden, sie gelegentlich vermissen, wenn sie vertrieben worden sind, wie sie sich mit ihnen arrangiert oder gar angefreundet haben..... das alles lesen Sie in diesem vielstimmigen Buch am besten selbst. Das Buch mit seinen 18 Berichten endet mit einem Nachwort des Herausgebers – angenehmerweise wieder frei von jeglicher besserwisserischen Interpretation der Beiträge.


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