Suche:     

"Gut, dass wir mal darüber sprechen!"

Rezensionen

Claus Räthke in Irrturm:
Das Buch war für mich eine wahre Lesefreude, da ich mich in vielen Aussagen wiedergefunden habe und es leicht und flüssig zu lesen ist, dazu informativ und voller Kraft und Dynamik. "Gut, dass wir mal darüber sprechen" ist eine erfahrungsbezogene Auseinandersetzung mit der Psychiatrie mit Blick auf den Alltag einer Psychiatrie- bzw. Psychoseerfahrenen und zeigt auf, was ihr und anderen in den psychiatrischen Behandlungen gefehlt hat, was unbedingt anders sein müsste und was ihr Kraft, Mut und Hoffnung gegeben hat. ... Für mich ein Mut machendes und seelisch aufbauendes Buch; es spricht mir aus dem Herzen.

Cornelia Schäfer im WDR, „Meinungen über Bücher“:
Hier ist es einmal nicht die psychisch Kranke, die von Psychiatrieprofis rückgemeldet bekommt, woran sie – fachsprachlich gesagt – leidet und was zu tun ist, damit es ihr wieder besser geht. Hier wird die Psychiatrie selbst diagnostiziert – sachlich, teilweise witzig, selbstbewusst und immer um Differenziertheit und Fairness bemüht. Ob die Diagnostizierte die Rückmeldung annehmen wird? Oder ob sie sich, wie Autorin Sibylle Prins offenbar befürchtet, »krankheitsuneinsichtig« zeigen wird? Das wäre bedauerlich, denn wenn hier auch keine lebensbedrohliche Erkrankung zum Vorschein kommt – Funktionsstörungen sind es allemal.

Hans-Ludwig Siemen in: Dr. med. Mabuse:
Sibylle Prins ist eine mutige Frau, denn sie wagt sich auf dünnes Eis. Sie hat sich zu Wort gemeldet und auf fast 200 Seiten in 20 gut verdaulichen Kapiteln eine Vielzahl von Themen behandelt, die sie mit Psychiatrie-Professionellen und Angehörigen gerne besprechen möchte. Ob daraus ein Gespräch wird, hängt nun allein davon ab, ob sich Professionelle und Angehörige ihrerseits zu Wort melden, mit Sibylle Prins in den Dialog treten, sich mit ihr streiten, sie bestätigen, loben oder kritisieren. Lohnen würde es sich allemal, denn das Buch ist voller Themen, über die sich trefflich streiten lässt.

Lilo Rumbler in: TABU:
Für Psychiater, Therapeuten, Sozialarbeiter und soziale Dienste, Betreuer und alle anderen in der und um die Psychiatrie Tätigen sollte das Buch ebenso ein "Muss" sein wie für Betroffene und Angehörige. Seit Jahren habe ich kein Buch zweimal gelesen; dieses Buch werde ich umgehend nochmals lesen, um wieder Neues zu entdecken.

Jürgen Bombosch in: LebensArt:
Wenn eine "Expertin in eigener Sache" wie Sibylle Prins, die sich als Autorin in der sozialpsychiatrischen Szene einen Namen gemacht hat, zur Feder greift, dürfen die sozialpsychiatrisch Bewegten gespannt sein, welche Bereicherung sie dieses Mal "zumutet". Und das in einladender und lebendiger Sprache, die ohne Fachjargon auskommt. Mit "Gut, dass wir mal darüber sprechen!" legt sie insbesondere den "Profis" eine kristiche Reflexion und Herausforderung für deren sozialpychiatrisches Denken und Handeln vor. In diese Überlegungen bezieht sich die Autorin fair und selbstkritisch ein und regt damit zur Streitkultur an.

Johanna Feest in: Kontakt der HPE, Österreich:
Dieses Buch – ein wahrhaft starkes und stärkendes Buch – weist alle jene Qualitäten auf, die Frau Prins immer wieder auszeichnen: ihre erfrischende Art und Weise, mit Feingefühl und einer großen Portion Humor Einsichten zu vermitteln und Fragen – mögen sie auch noch so unbequem sein – zu stellen, zum Nachdenken anzuregen und den Leser/die Leserin zum weiterführenden Denken und Handeln zu motivieren. Das alles in einer klaren, verständlichen Sprache wohltuend frei von Polemik, Moralisierungstendenzen oder Spuren von Selbstgerechtigkeit oder Selbstmitleid.

Andreas Knuf in: pro mente sana aktuell:
Auf ein Buch wie dieses habe ich persönlich schon lange gewartet! Endlich schreibt eine selbst betroffene Frau darüber, was in ihren Augen in der Psychiatrie der Gegenwart gut läuft und was eben nicht. So konkret, so einfühlbar, dass ich als Fachmann gleich zustimmen muss: »Recht hat sie, genau das würde mich auch ärgern, wenn ich Patient wäre.« Sie tut das ohne jede antipsychiatrische Ideologie und ohne den Anspruch, für alle psychiatrieerfahrenen Menschen zu sprechen. Das Buch ist lehrreich für Fachleute und entlastend für Betroffene, die sich in vielen Statements wiederfinden werden.

Martin Hambrecht in: Psychiatrische Praxis:
Dieses Buch ist ein bemerkenswertes Plädoyer für Individualität und Humanität in der Psychiatrie.
Trotz der ernsten Thematik macht die Lektüre Spaß. Sibylle Prins spricht eine ungezwungene, direkte, treffsichere und gleichzeitig elegante Sprache. Gekonnt nimmt sie den Leser in einen Dialog hinein und lässt ihn teilhaben am Prozess ihres Denkens und Schreibens. Diesem gelungenen Beitrag zur Analyse des psychiatrischen Alltags ist eine große Verbreitung zu wünschen.

Brigitte Siebrasse in: Psychosoziale Umschau:
Es gibt viele Bücher, die mich beeinflusst haben, die ich wertschätze, für maßgeblich halte und gerne weiterempfehle. Aber die Wortmeldungen von Sibylle Prins würde ich immer besonders hervorheben; allein schon, weil der Autorin mit diesem Buch etwas gelungen ist, was den wenigsten gelingt. Sibylle Prins hat nämlich als erste Psychiatrie-Erfahrene zur trialogischen Sozialpsychiatrie ein höchst unterhaltsames und gleichzeitig gewichtiges und kluges Sachbuch vorgelegt, das ironisch mit den Genre Sachbuch spielt. Trotzdem lässt sie sich ernsthaft auf das Thema ein, macht den einen oder anderen geneigten Leser obendrein süchtig auf ihre spezifische Art, die Inhalte zu betrachten, und uns Psychiatrie-Erfahrene stolz.

Christine Theml in: Nicht ohne uns:
Das Buch ist in der Psychiatrielandschaft ein neuer wertvoller Blickwinkel, der, frei von negativen Emotionen mit einem gehörigen Abstand, den man sich erst einmal schaffen muss, Betroffene, Angehörige und Helfer anzurühren vermag und ganz konkret Hinweise enthält, was zu tun ist, dass man auch mit einer Psychose ein sinnerfülltes Leben führt.

Michael Eink in: Sozialpsychiatrische Informationen:
Die Themen, die Sibylle Prins essayistisch beschreibt, sind nicht neu (Psychopharmaka, Gewalt, Arbeit, Selbsthilfe, etc.), aber so klug, so persönlich, so witzig sind die psychiatrischen Konfliktfelder selten beleuchtet worden. Sofort kaufen!!

Lutz Debus in: therapie kreativ:
So plastisch schreibt die Autorin, in einer so sehr sprechenden, weniger schreibenden Sprache, dass ich sie mir vorstellen muss. Oft steht sie mir gegenüber, im Wartezimmer, mit verschränkten Armen und hochgezogener Unterlippe. Sie wirkt beleidigt bei ihrem Bericht über die Unzulänglichkeiten psychiatrischen Handelns. Oder sie gestikuliert wild und atemlos, sprudelt vor Ideen. Zwei Worte müssen für einen Satz reichen, denn da kommt schon der nächste Gedanke. Diese beiden Bilder kommen mir immer wieder. Und Recht hat Sibylle Prins mit beiden Haltungen. Natürlich ist sie beleidigt, ihr wurde Leid zugefügt. Weniger durch die spektakulären psychiatrischen Behandlungen wie Zwangseinweisung, Fixierung und Elektroschock, mehr durch die blande Gewalt der Ignoranz, des Hochmuts, der Distanziertheit und der Distanzlosigkeit der Behandler. Diese erlebte sie als Personen, die nichts von ihr wissen wollten oder die alles vorgaben von ihr zu wissen. Vieles in diesem Buch ist ein Plädoyer für KlientInnenkompetenz. Atemlos ist sie auch zu Recht. Anders als beim Hausarzt, wo gelegentlich jeder Wartende seine Krankheits- und Lebensgeschichte erzählt, herrscht in psychiatrischen Wartezimmern bleiernes Schweigen. Diejenigen, die krankheitsbedingt plappern, werden schnell verarztet. Wenn jemand nach langem Schweigen einen Berg voller konstruktiver Vorschläge unterbreitet, dem mag innerhalb der knapp 200 Seiten schon mal die Puste ausgehen.
Sibylle Prins schreibt von so grundlegenden Dingen wie der Zeit. Wieviel Zeit dürfen Psychiatrieerfahrene haben, wie viel Zeit müssen sie haben? In den Wartezimmern des Lebens brauchen sie viel Zeit, so viel wollen sie dort gar nicht haben. In den Behandlungszimmern, seien sie in der freien Praxis, in Kliniken oder Reha-Einrichtungen, bekommen sie wenig Zeit, bräuchten mehr.
Auch der pädagogisch-psychologische Bereich wird von der Autorin kritisiert. Warum müssen sich handwerklich unbegabte Menschen unbedingt an Laubsägearbeiten abquälen? Warum müssen Menschen, die gern mal ein Fertiggericht aus der Dose verspeisen, unbedingt zur Vollwerternährung überredet werden? Makaber wird dieses Unterfangen, wenn eine 8-köpfige PatientInnengruppe in den nächsten Lebensmitteldiscounter geschickt wird, um ein Päckchen Backpulver zu kaufen. Prins wünscht sich, ernst genommen zu werden. Sie möchte, hier ein Seitenhieb auf uns KreativtherapeutInnen, erklärt kriegen, was es für einen Sinn macht, auf Orffschen Instrumenten herumzuklimpern. Tatsächlich taugt eine Therapie nur so viel, wie sie ihr Vorgehen den Klientinnen und Klienten plausibel erklären kann.
Es gibt wenige veröffentlichte Stimmen von Klientinnen und Klienten. Hier ist eine. Wir können sie nutzen, um uns der anderen Seite der Wirklichkeit therapeutischer Prozesse anzunähern.

Julie Tränkle in: Soziale Psychiatrie:
Sibylle Prins hat ihr erstes Buch geschrieben.
Es sind „Wortmeldungen“ zur psychiatrischen Praxis, zum Alltagsleben, zum Beziehungsgeschehen, häufig humorvoll, nicht selten philosophisch und voller Lebensweisheit – ein sehr inspirierendes Debut.
Am Anfang steht das Kapitel „Vom Verrücktsein“. Besonders gut gefallen mir hier die Überlegungen zum Thema Freiheit, die in der Psychiatrie (auch wenn es sich um die innere Freiheit handelt) in den seltensten Fällen respektiert wird. Psychiatrischen Profis empfehle ich, hier genau zu lesen, denn man kann den Erörterungen Sibylle Prins’ sehr gut entnehmen, wo und wie früh Freiheitsbeschneidung beginnt.
Spannend sind auch ihre Ausführungen zur „seelischen Gesundheit“ und zum „Recht auf Krankheit“. Die Schwierigkeiten mit Begriffen wie „psychisch krank“ (nicht gerade ein Türöffner in dieser Gesellschaft) oder gar „seelisch behindert“, die wohl die weitaus meisten Psychiatrie-Erfahrenen haben, bringt sie sehr schön auf den Punkt.
Wohltuend auch ihre ironischen Ausführungen zu schönfärberischen Umbenennungen von Psychiatrien in „Zentren für seelische Gesundheit“ o.Ä. – wo man dann im Extremfall in Handschellen eingeliefert und sofort fixiert wird. Die Hoffnung darf nicht vergeblich sein, dass sich Veränderungen in und an der Psychiatrie nicht in Orwell’schem Newspeak erschöpfen.
Auch finde ich gut, dass Sibylle Prins hier psychische und körperliche Krankheit vergleicht. Und beispielsweise erwähnt, dass auf eine körperliche Krankheit von ihrer Umgebung mit sehr viel mehr Unterstützung, Ermutigung und weniger Druck reagiert wurde.
Im weiteren Verlauf des Textes geht sie auf die Relativität des Normalitätsbegriffes ein. Für Psychiatrie-Erfahrene, die mitunter geradezu inflationär mit diesem Begriff traktiert werden, ist es sehr wohltuend, eine solch differenzierte Betrachtung dazu zu lesen.
Auch die Freizeitgestaltung in psychiatrischen Institutionen nimmt sie aufs Korn, so z.B. die Zwangsverpflichtungen zum Besuch von Ausstellungen und anderen Veranstaltungen, die den Profis eben so ins Konzept passen.
Wichtig auch das Kapitel über biografisches Vorgehen und Ressourcenorientierung. Auch hier empfehle ich den Profis, genau zu lesen und darüber nachzudenken, wo sie vielleicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg handeln. Besonders eindrücklich finde ich den Bericht über die Einbeziehung von Angehörigen in die Behandlung, die keine intensive Bindung an die oder den Betreffenden haben. Die Frage an die PatientInnen, welche Angehörigen einbezogen werden sollen, ist mitnichten überflüssig. Sonst kann es im Extremfall vorkommen (eine Bemerkung von mir), dass die Behandlung z.B. mit TäterInnen abgesprochen wird.
Bei ihren Ausführungen über Ressourcenorientierung spricht Sibylle Prins mir in vielen Fällen aus der Seele: Die Destruktivität einer negativen Prognose – wie viele Psychiatrie-Erfahrene müssen damit fertig werden, ohne dass die Behandelnden über hellseherische Fähigkeiten verfügen! Bei größerer Vorsicht könnte viel Leid vermieden werden.
Weitere Themen sind die Bedeutung von Sprache und die Bedeutung von Zeit in der psychiatrischen Behandlung.
Im Kapitel über Geld spricht sie die finanzielle Situation vieler Psychiatrie-Erfahrener an, die eben nicht rosig ist. Selbst dank eines Arbeitsplatzes besser gestellt, legt sie die Vorzüge des Genug-Geld-Habens – speziell in Krisensituationen – dar. Zuletzt verkneift sie sich dankenswerterweise nicht den Hinweis darauf, wie viele Leistungen Psychiatrie-Erfahrene im Rahmen der Selbsthilfe kostenlos erbringen (wie z.B. Gremienarbeit – die von den Professionellen selbstverständlich im Rahmen bezahlter Arbeitszeit erledigt wird).
Arbeit – ebenfalls ein wichtiges Thema für Psychiatrie- Erfahrene. Sibylle Prins problematisiert das Bild von Arbeit, das von psychiatrisch Tätigen gerne vermittelt wird. Der so postulierte ideelle Wert von Arbeit, die angeblich sinnstiftend, identitätsbildend etc. sein soll, kontrastiert mitunter sehr heftig mit den Tätigkeiten, die in der Psychiatrie angeboten werden, allem voran mit der Industriearbeit. Und auch Coaching für Psychiatrie-Erfahrene ist eine sehr gute Idee.
Im Kapitel über Männer, Frauen, Sexualität und MigrantInnen kommen die Frauen ziemlich kurz. Auch die Situation der MigrantInnen bleibt nur angerissen – wobei ich Sibylle Prins’ Beunruhigung über deren Behandlung nur teilen kann.
Rückmeldungsscheu – ein weiteres Thema – herrscht nach meiner Beobachtung in der Psychiatrie überall. Besonders gut aber gefiel mir im entsprechenden Kapitel der Hinweis auf mangelnde Möglichkeiten zur Akteneinsicht, die schon Einiges an Verfolgungsideen hervorbringen kann.
Ihre Anmerkungen zur Forschung, sowohl Psychiatrie-Erfahrene selbst als auch ihre Angehörigen betreffend, finde ich sehr unterstützenswert. Wichtig auch die Beiträge zu Psychopharmaka, zu Zwang und Gewalt in der Psychiatrie und zu Selbsthilfe und Trialog...
Sibylle Prins spricht viele wichtige Themen an und sie tut dies auf eine kompetente, überzeugende und sprachlich sehr anregende Weise. Ein sehr lesenswertes Buch, dem ich viele LeserInnen – auch und gerade unter Angehörigen und psychiatrischen MitarbeiterInnen wünsche.


zurück  zurück