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BrĂĽckenschlag Band 26, 2010

Rezensionen

Eine "BrĂĽckenschlag"-Autorin:
Vielen Dank für die Zusendung des Brückenschlags. Ich habe mich sehr gefreut, meinen Text in einem richtigen Buch zu finden. Es ist meine erste Veröffentlichung in einem Verlag.
Für die Arbeit, die sich beim Zusammenstellen und Druck dieser Ausgabe ergeben hat, möchte ich Ihnen meine Anerkennung aussprechen.

Dr. med. Mabuse:
Welche Emotionen machen Abschied aus? Wie können sie "verarbeitet" werden? Viele Texte in diesem Band drehen sich um die Frage: Wie gehen wir, wie geht die Psychiatrie mit "Abschied nehmen" und "Abschied geben" um? Die Antworten sind in bewährter Form vielstimmig. Die oft sehr persönlichen Geschichten, aber auch die Gedichte und die Bilder im "Brückenschlag" sind eine wahre Fundgrube für alle in der Psychiatrie Tätige.

Astrid Delcamp in: Soziale Psychiatrie:
Dieser "Brückenschlag" meldet sich mit der Frage zu Wort, wie wir mit "Abschied nehmen" bzw. "Abschied geben" umgehen, und bietet in bewährter Form vielstimmige Antworten. Die Beiträge handeln einerseits von Erfahrungen mit Tod, Krankheit, Trauer oder Krieg sowie den Chancen von Neuanfängen, die Abschiede bieten können, und andererseits von Abschieden in der Psychiatrie. Ein Abschiedsbrief an Stimmen, die zu Freunden wurden (Andreas Gehrke), die Forderung nach Abschied vom Mythos Psychopharmaka (Stefan Weinmann) sowie Abschiede in Psychotherapien (Renate Schernus), der Abschied der Angehörigen von dem Ideal eines gesunden Sohnes (Marianne Brauer), Todesfälle in der Psychiatrie (Sylvia Vilter), das erfolgreiche Abschiednehmen vom Chaos einer Psychose (Jana V.) und Abschied als gemeindepsychiatrische Haltung (Ilja Ruhl) bieten vielfältige Eindrücke von der "Abschiedskultur" in der Psychiatrie.
"Die gemeindepsychiatrische Arbeit ist geprägt vom Abschiednehmen. Und von all den Schwierigkeiten damit. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeindepsychiatrie müssen das Abschiednehmen in vielen Zusammenhängen oft erst erlernen. Da möchte die Bewohnerin oder der Bewohner eines Wohnheimes endlich die eigene Wohnung beziehen, Abschied nehmen vom reglementierten Wohnheimleben, von Küchendiensten, Wohngruppengesprächen … Da ist die Bezugsbetreuerin oder der -betreuer mit all den Vorbehalten, der Skepsis, den Zweifeln, ob das selbstständige Leben auch gelingen will, was immer das auch heißen mag." (S.49)
Besonders gefallen hat mir "Wenn du Abschied nimmst und aufbrichst …" (Jens Clausen). In diesem Beitrag wird sehr eindrücklich das Gefühl beschrieben, weggehen zu müssen, etwas anderes als das Alltägliche zu brauchen. Sehnsucht oder Fernweh, der Moment des Aufbruchs, der Abschied ohne Adieu. Aufbruch und das Zurücklassen der gewohnten Umgebung.
Sehr persönliche, literarische Texte sowie eindrückliche Erlebnisschilderungen zu Krankheit, Tod und Trauer machen deutlich, dass es gut ist, wenn man nicht alleine bleiben muss mit dem Erleben, Abschied nehmen zu müssen von nahestehenden Menschen. Dieser "Brückenschlag" schafft es, mit einer guten Mischung aus Bildern, BOB-Comics, Gedichten und Texten die vielen Facetten des Abschiedes aufzuzeigen. Ein schönes, manchmal trauriges, dennoch Mut machendes Buch, welches dazu beitragen kann, auch in der Psychiatrie eine Kultur des Abschieds zu fördern und zu entwickeln. Lesenswert!

Verena Liebers in: Der Eppendorfer:
Loslassen – und neu beginnen
Abschied hat viele Gesichter. Mit Texten, kleinen Cartoons und beeindruckenden Bildern – die eigentlich ein viel größeres Format als eine Buchseite verdient hätten – entfaltet sich im „Brückenschlag“ ein ganzes Kaleidoskop der Gedanken zu diesem Thema. Eine Brücke zwischen Literatur, Kunst und Sozialpsychiatrie schlägt die Zeitschrift „Brückenschlag“ mittlerweile zum 26. Mal. Jedes Heft widmet sich einem eigenen Thema. Ob Wahnsinn, Jugend oder Liebe – alles, was den Menschen umtreibt und vielleicht aus der Bahn werfen kann, wird thematisiert. Mit viel Geschick, Erfahrung und Fingerspitzengefühl stellen die Herausgeber Jürgen Blume, Fritz Bremer und Hartwig Hansen die einzelnen Ausgaben zusammen. Durch die Vielzahl der Autoren ist jeder Band ein Kompendium erstaunlich vieler Blickwinkel. Keine Perspektive wird ausgespart oder sanktioniert.
Ist Abschied eine Fiktion, weil etwas von jeder Begegnung bleibt? Ist die Geburt zugleich auch der schmerzlichste Abschied, den wir kennen? Auch der Tod, oft genug tabuisiert, kommt hier ganz unverblümt zur Sprache. Schmerz und Unsicherheiten lassen sich in den kleinen Texten miterleben. Manches liest sich bedrückend und macht zugleich Mut, sich die eigenen Ängste zu betrachten. Sterben als Erlösung, als Einbruch, als Trennung, als das ewig Unbekannte. Wer die Brückenschlag-Artikel wirklich erfassen will, liest besser in kleinen Portionen. Die vielen Anregungen laden ein, sich Zeit zu lassen, dem Geschriebenen nachzuspüren.
Aber Abschied ist keinesfalls nur traurig. Wenn sich ein ehemals Psychose-kranker Mensch von seinen Stimmen verabschiedet, spricht viel Hoffnung und Lebensmut aus dieser Betrachtung. Auch für den Studenten, der sich nach mehrjährigem Psychiatrieaufenthalt wieder einem Alltag jenseits dieser Institution zuwendet, bedeutet Abschied vor allem Aufbruch in ein neues hoffnungsvolles Leben.
Die Autoren sind Pädagogen, Therapeuten, Psychose-Erfahrene, Theologen, Germanisten und Maler. Jeder hat einen anderen Zugang zum Thema und dennoch ist am Schluss etwas entstanden, das nicht wirr, sondern irgendwie verbindend ist. In irgendeiner Form ist Abschied eben für jeden Menschen ein Thema.


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