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Wir sind weit miteinander gegangen

Rezensionen

Alexander Brandenburg auf: www.socialnet.de:
Das Buch enthält eine Vielzahl von großen und kleinen Hinweisen, wie die psychiatrische Arbeit im Alltag verbessert werden könnte und wie das Gesamtsystem Psychiatrie fast kostenneutral an Qualität gewinnen könnte, wenn es nur mehr auf die Bedürfnisse seiner „Nutzer“ hören würde. Dies setzt allerdings auch die Intensivierung des in diesem Buch praktizierten Dialoges zwischen Professionellen und Psychiatrie-Erfahrenen voraus.

Zur vollständigen Rezension geht es hier: www.socialnet.de

Jens Riedel in: Der Eppendorfer:
Ein von der Machart unorthodoxes Buch, dessen Konzept überzeugt. Herausgekommen ist eine ungewöhnliche Bestandsaufnahme mit Reflexionen über Psychiatrie, Betrachtungen zu Beziehungen zwischen Therapeuten und Patienten, vor allem aber persönlichen Einschätzungen einer Professionellen und einer Betroffenen. (...) So gelingt den drei Beteiligten beinahe schon ein Rundumschlag in Sachen Psychiatrie und eine Bewertung des Status Quo aus zwei verschiedenen Perspektiven. Besonders lesenswert sind die Passagen, in denen Grundsatzfragen aufgeworfen werden, etwa die nach der Definition von Gesundheit oder nach der Wirksamkeit von standardisierten Methoden im Individualfall. Breiten Raum nimmt die Kooperation zwischen Fachkräften und den Psychiatrieerfahrenen ein. (...) Die ungezwungene und lebendige Atmosphäre der insgesamt neun Gespräche ist in der Schriftform erhalten geblieben und beim Lesen spürbar.

Margit Weichold in: Soziale Psychiatrie:
Insofern ist das Buch nicht nur eine schöne Idee, sondern modern und wichtig, nicht zuletzt deswegen, weil aktuellste Themen und Stichwörter der Psychiatrie aufgegriffen werden. Und bei allem Miteinander spricht man auch über die Grenzen und Probleme des gemeinsamen Weges.

Andreas Manteufel in: systhema:
Das Buch ist ein absoluter Kontrapunkt zur gängigen "evidenzbasierten" Fachliteratur, als es konsequent den Einblick in subjektive Erfahrungen und Sichtweisen über Psychiatrie ermöglicht, und das von zwei Personen, die sie wirklich kennen. Meiner Meinung nach müssen solche Bücher im Regal von Fachleuten neben der gängigen medizinischen oder psychotherapeutischen Fachliteraur stehen – und natürlich gelesen werden. Sonst ist die Blickrichtung zu einseitig.

Christine Theml in: Nicht ohne uns:
Ich las das Buch mit wachsendem Interesse. Vieles, was mir im Bauch grummelt, spricht Sibylle Prins klar aus. Mir hat das Buch gefallen, weil schwierige Probleme unaufgeregt diskutiert werden. Es hat mich schon erschreckt, weil es deutlich macht, dass all die Mühen um eine humane Psychiatrie, die den Patienten mit seinem Umfeld und seiner Biografie im Mittelpunkt sieht, so wenig Früchte tragen. ... Es ist kein Buch, wo sich jemand abreagiert, es ist eher ein Ergebnis vielen Nachdenkens und Beobachtens.

Svenja Bunt auf www.verrueckte-buecher.de:
(...) Für jeden, der Interesse hat an der Zusammenarbeit mit Psychiatrie-Erfahrenen, mit EX-INlern oder der Selbsthilfebewegung, ist dies ein gewinnbringendes Buch. Wie kann das gelingen, wenn die Beziehung zwischen Profis und Erfahrenen nicht mehr rein klinisch ist? Wie kann sogar so etwas wie Freundschaft entstehen, wenn doch die Erfahrene vielleicht erneut Hilfe brauchen könnte oder wenn es damit für den Profi viel schwieriger wird sich abzugrenzen? Wie das geht, erfährt der Leser in diesem Buch.
Nun ist es mittlerweile ja eine Art Modebewegung, die Betroffenen mit einzubeziehen. Dass das gar nicht so einfach ist, dass es dabei auch Fallstricke gibt, dass die Bedingungen, unter denen die Betroffenen eingeladen werden mitzuarbeiten, selten fair sind – auch das kann man hier lesen. Dass diese Zusammenarbeit aber auch ein großer Gewinn sein kann für alle Seiten, so wie Sibylle Prins ein Gewinn ist für die Sozialpsychiatrie und so wie für sie diese neue Rolle als Autorin und Referentin ein ungeahnter Gewinn ist – auch das wird durch die Lektüre dieses Buchs klar.
In einem Sprichwort aus früheren Zeiten einer anderen Emanzipationsbewegung heißt es: Hinter jedem großen Mann steht eine große Frau, die ihm den Rücken freihält. Auf die Psychiatrie bezogen scheint mir Folgendes wahr zu sein: Hinter jeder aktiven Psychiatrie-Erfahrenen steht ein Professioneller oder eine Professionelle, die sie fördert, als Partner auf gleicher Ebene anerkennt und sie unterstützt. – Auch meine diversen Aktivitäten als Psychiatrie-Erfahrene wären nicht denkbar ohne solche Förderung.
Insofern ist dieses Buch auch Werbung: Dass einzelne Professionelle einzelne Psychiatrie-Erfahrene fördern mögen, indem sie eine rein klinische Beziehung aufgeben und stattdessen einen Beitrag leisten, damit die Erfahrenen Erfolg haben können. Aus diesen einzelnen Beziehungen kann nicht nur Gewinn für die einzelnen Beteiligten entstehen, sondern für die gesamte Sozialpsychiatrie. So wie Sibylle Prins heute Studenten und Praktiker unterrichtet, so wie sie mit ihren Büchern zum Nachdenken anregt, so wie sie in der Selbsthilfe und als Vortragende andere inspiriert.
Auf dass noch mehr Psychiatrie-Erfahrene und Professionelle weit miteinander gehen mögen!

Stephan Burgstaller in: Sozialpsychiatrische Informationen:
Sibylle Prins und Renate Schernus durchstreifen in ihren Gesprächen mit Fritz Bremer unterschiedlichste Gebiete der psychiatrischen Landschaft und vermitteln auf ihrem Weg sowohl persönliche Eindrücke und Erfahrungen als auch ein Stück Reformgeschichte der Psychiatrie. Ein Weg, der weniger im Überschreiten von Grenzlinien, sondern eher in der Erweiterung der Grenzen mündet. (...)
Das Buch ermutigt, die Herausforderung für alle Beteiligten anzunehmen und sich und einander neue Räume zu erschließen, die Grenzen in Frage zu stellen und immer wieder neu – den jeweiligen Situationen und Personen entsprechend – zu ziehen, nicht nur zwischen Psychiatrie-Erfahrenen und Profis, sondern auch zwischen Berufsgruppen, institutionellen Bereichen und letztlich zwischen Psychiatrie und Gesellschaft.

Hilde Schädle-Deininger in: pflegen: psychosozial:
Das Buch ist einmalig, ein Dokument gelebter Mitmenschlichkeit und ein Muss für alle an der psychosozialen Versorgung beteiligten Menschen.

Martin Lenz in: therapie kreativ:
Es gab noch kein Buch von und mit Sibylle Prins, das mich nicht in Bewegung gebracht hätte. Es ist immer wieder die Frage nach der eigenen Arbeit innerhalb einer psychiatrischen Klinik und die Erinnerung daran, dass diese Arbeit nicht zur Routine werden darf. Auch dieses Buch – ein Gesprächsprotokoll – hat seinen vorrangigen Wert in der kritischen Reflexion von Haltungsfragen. Fritz Bremer, der Mitbegründer des Paranus Verlages, unterhält sich über mehrere Tage mit zwei Frauen, die über viele Jahre voneinander lernen konnten und diesen Prozess mit diesem Buch in die Öffentlichkeit tragen. Es sind Sibylle Prins, die als Autorin und Aktive in verschiedensten Gremien Psychiatrie-Erfahrener bekannt ist, und Renate Schernus, die als Psychotherapeutin und Klinikleiterin viele Jahre in den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel im Bereich Psychiatrie tätig war und die ebenfalls ein paar beachtliche Bücher geschrieben hat.
Das Buch ist ein Zeugnis der Annäherungen, in diesem Fall bis hin zur Freundschaft zwischen einer Therapeutin und ihrer Klientin über die gemeinsame Arbeit an Veränderungen in der Psychiatrie. Ein bewegendes Buch wegen seiner persönlichen Offenheit.
Es werden schon harte Fragen schonungslos angesprochen und ich muss mich bei vielen selbst fragen lassen, ob ich ihnen für meine Arbeit gewachsen bin oder ob nicht die Scham über Versäumtes wenigstens für die Zukunft und für die Begegnung mit der nächsten Patientin oder dem nächsten Patienten wegweisend sein kann.
Sibylle Prins erzählt zum Beispiel, dass sie in der Psychiatrie keiner danach gefragt habe, was sie eigentlich intensiv interessiert. Immer stand im Mittelpunkt der Hilfsangebote die Einnahme von Medikamenten, die Ernährung, das Auskommen mit Geld, Regelungen von Behördenangelegenheiten – für ihren Sinn des Lebens hat sich niemand interessiert. Ich weiß aus eigener Erfahrung mit Patient/innen, dass der Sinn eines Menschen so völlig anders sein kann, als ich ihn für mich definieren könnte, ja sogar so anders, dass ich ihn mir kaum vorzustellen vermag. Aber es ist doch ein Sinn, ein ganz individueller. Und eben der passt manchmal nicht in die landläufige Vorstellung von In-dieser-Gesellschaft-Funktionieren und damit auch in kein Therapiekonzept.
Auch für Renate Schernus ist der Respekt vor der Einmaligkeit von Personen ein zentrales Anliegen, damit man als so genannter Professioneller nicht Daten über Patienten sammelt, die nichts mit deren Normen, Werten, Hoffnungen und Lebensrichtungen zu tun haben.
Erfrischend und immer wieder in Frage stellend sind viele Kritiken, die Sibylle Prins stellvertretend für viele Menschen stellt, die der Hilfe der Psychiatrie bedürfen, sie aber nicht immer so bekommen, wie es eigentlich notwendig wäre. Ein Satz, der schnell überlesen ist, hat für mich beinahe definitorisches Gewicht bekommen. Über Psychotherapie sagt sie so ganz nebenbei: „Psychotherapie bedeutet für viele, Interesse an der eigenen Person und Geschichte zu finden.“ Das ist doch eine grandiose Definition von Psychotherapie, der sich natürlich auch die kreativen Therapien anschließen können. Schon dafür danke ich ihr.
Ich bin froh, auch nach 15 Berufsjahren, immer wieder kritisch befragt zu werden, um nicht über die Diskussionen über Umstrukturierungen, Sparmaßnahmen und Personalknappheit das Gespür für das zu verlieren, was Menschen in psychischen Krisen am meisten brauchen, mein Interesse an ihnen.

Bianca Bullack in: Ergotherapie und Rehabilitation:
Das Buch ist kein Lehrbuch, sondern es möchte subjektive und damit aus der Sicht der Autorinnen auch unvollständige Einblicke geben, die zu weiteren Gesprächen anregen können. So macht gerade die Teilhabe an diesem persönlichen Gespräch den Reiz dieses Buches aus. ... Das preislich erschwingliche Taschenbuch bietet insgesamt sowohl Berufsanfängern in der Psychiatrie als auch Ergotherapeuten mit langjähriger Berufserfahrung Denkanstöße sowie Gesprächsstoff im Dialog mit Klienten, für die dieses Buch ebenfalls geeignet ist.

Diana Flory in: Psychotherapie im Dialog:
Es wird anhand eines Interviews zweier Frauen der Austausch auf gleicher Augenhöhe zwischen Patientin und Therapeutin in diesem Gesprächsprotokoll vorgelebt. Anhand der offenen und zum Teil sehr privaten Erzählung darüber, wie sich die Freundschaft der Interviewten entwickelt hat, wird auf authentische Weise eine Bandbreite an Themen angesprochen, die über einen reinen Erfahrungsaustausch hinausgeht. Thematisiert werden das Verständnis von Gesundheit, Psychosen, der Psychotherapie, Entwicklungen in der Psychiatrie und damit verbundene Befürchtungen und Wünsche. Gleichzeitig ist dieser Dialog lebendiges Zeugnis darüber, welche wertvollen Einsichten sich ergeben können, wenn man sich gleichberechtigt begegnet.

5 Sterne-Rezension von Ursula Talke, Berlin, auf amazon.de:
Die Geschichte einer Freundschaft
Fritz Bremer, lange schon im Sozialpsychiatrischen tätig, Gründer von Brückenschlag und Paranus Verlag, lädt Sybille Prins und Renate Schernus zu Gesprächen ein.
Sybille Prins rangiert bei mir mit ihrer Szene-Arbeit und ihrem bissigen, treffenden Humor in ihrer Wichtigkeit kurz hinter Dorothea Buck, die ja mit bahnbrechend war und ist für die heutige psychiatrische Landschaft, Renate Schernus gehört für mich zu den Koryphäen unter den Profis, weil ehrlich, unkonventionell, erfinderisch, nachhaltig.
Gleich im ersten Gespräch (derer es neun gibt) wird von Fritz Bremer erklärt, wie er auf die Idee dieses Buches kam….er sei neugierig geworden, was beide eigentlich zusammengeführt hat…es sei ja in der Psychiatrieszene nicht grade üblich, dass sich Psychiatrie-Erfahrene und Professionelle auf diese Weise aufeinander beziehen.
Die beiden hatten damals schon Vorträge und Fortbildungen zusammen gemacht – da war das also noch neu.
Inzwischen ist so etwas ja gang und gäbe – und doch halte ich dieses 2009 erschienene Gesprächsfragment (wie Bremer am Ende bemerkt) auch im Jahre 2015 für aktuell und lesenswert.
In den neun Gesprächen geht es um Gratwanderungen, interessante Entdeckungen, Gesundheit und Krankheit, neue Möglichkeiten und wie sie blockiert werden. Patentrezepte werden abgelehnt, Zusammenarbeit spielt eine große Rolle, und auch Probleme werden thematisiert und das „Zauberwort Qualität“ taucht auf.
Es geht um die gegenseitige Wahrnehmung von Therapeut und Klient, um die Rollenverteilung, um Vorurteile aber auch um das Miteinander-Umgehn im Klink-Alltag. Vieles wird so ganz nebenbei angerissen – das Thema Älter-Werden – es beeindruckt mich sehr, wie offen und ehrlich Renate Schernus damit umgeht – die größere Lebensspanne liegt hinter ihr, die Kräfte lassen nach.
An anderer Stelle spricht sie mir ach so sehr aus der Seele, mir, die nichts mehr verletzt und kränkt als eben die Begrifflichkeit „psychisch krank“: „….in den genannten Symptomen gleichzeitig auch Selbsthilfemöglichkeiten des jeweiligen Menschen zu erkennen. Er ist eben immer gleichzeitig erleidend und gestaltend. Wenn ich unter Krankheit nur etwas verstehen soll, das mich von aussen befällt und mit meiner ganzen Person nichts zu tun hat. (...) dann muss ich den Krankheitsbegriff für seelische Erkrankungen ablehnen, denn sie sind Erschütterungen der ganzen leib-seelischen-sozialen Persönlichkeit und darin und gleichzeitig auch immer Antworten auf Widerfahrenes.“
In all den Gesprächen wird deutlich, dass da eine Begegnung auf Augenhöhe, humorvoll und vertraut, stattfindet. Da ist innerhalb von einigen Jahren aus der ursprünglichen Klient-Therapeut-Beziehung eine Freundschaft geworden – das ist fast (?) beneidenswert, will sagen, so etwas ist nicht allen vergönnt.
Und vermutlich auch gar nicht angestrebt. Ein Geschenk also. Als solches empfinde ich auch das ganze Buch – als ein Schatzkästlein, in dem ich immer wieder mal drinrumlesen kann, mit all den Denk-Anstössen, den kleinen und großen, die schlussendlich etwas mit menschlichem Miteinander zu tun haben und somit jeden angehen.
So bleibt nur zu hoffen, dass die Auflage noch nicht vergriffen ist, damit sich noch recht viele Leser dran laben können!


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