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Mein Leben in zwei Welten

Rezensionen

Ausführliche Besprechung von Anika Stitz auf www.socialnet.de:
Fazit: Alles in allem ist das Buch das, was der Autor verspricht. Es zeigt, wie Schizophrenie ein Leben zerstören und wie man sich ein neues Leben aufbauen kann. Ralfs Geschichte beschönigt nichts und macht deutlich, dass der Rückfall ein ständiger Begleiter sein kann. Trotz allem hat Ralf es geschafft, wieder zu leben und glücklich zu sein. Die Geschichte eines Betroffenen mit Happy-end.

Sibylle Prins in: Sozialpsychiatrische Informationen:
Selten habe ich einen so genauen und gründlichen Erfahrungsbericht gelesen. Der Autor, der teilweise über sich in der dritten Person schreibt, beginnt mit einem kurzen Abriss seiner Kindheit und Jugend, in der Probleme ihren Anfang nehmen, wie zum Beispiel eine unsichere Geschlechtsidentität, die zwar zeitweise überwunden scheinen, später jedoch im Zusammenhang mit seiner Erkrankung wieder eine Rolle spielen.
Danach geht sein Leben erst mal sehr vielversprechend weiter: er wird ein ganz hoffnungsvoller junger Wissenschaftler (Biologe), der sich in den angesehensten Kreisen bewegt. Der Autor und die Leser/innen mögen mir verzeihen: als er berichtet, welchen Rummel es auslöst, als der Professor seines Instituts den Nobelpreis erhält, musste ich schmunzeln – im Zusammenhang mit psychotischen Inhalten ist mir der Nobelpreis ziemlich oft untergekommen, von Menschen, die in ihren psychotischen Phasen glaubten, ihn demnächst zu erhalten. Ich selbst erhalte in Psychosen nicht nur Nobelpreise, sondern verteile sie auch noch großzügig an andere. Was vielleicht noch größenwahnsinniger ist. Das Schmunzeln kam daher, dass es sich in dieser Geschichte ausnahmsweise um den echten und realen Nobelpreis handelt. Und auch Roman Preist will sich auf den Weg dorthin machen. Doch bei einem Auslandsaufenthalt befallen ihn erste psychotische Wahrnehmungen und Gedanken. Durch die minutiöse Schilderung, wie sie sich zunächst an einer kleinen Begebenheit entzünden, immer stärker das gesamte Leben überfluten und es schließlich zu einer Situation der Unausweichlichkeit und Eskalation kommt, der Autor dann in der Psychiatrie „landet“, bekommt der Leser einen beklemmenden, aber auch sehr plastischen und anschaulichen Eindruck von diesem psychotischen Erleben. Selbst Betroffene werden darin Eigenes wiederfinden, für Nichtbetroffene wird es meines Erachtens sehr nachvollziehbar gemacht.
Die angefangene wissenschaftliche Karriere kann Preist danach so nicht langfristig fortsetzen, findet jedoch immer wieder andere Arbeitsmöglichkeiten. Weiterhin bleibt sein Leben sehr von psychotischen Wahrnehmungen und Krankheitsschüben, und den damit einhergehenden Folgen, zum Beispiel teilweise Verwahrlosung und suizidale Gedanken, geprägt. Auch der Weg heraus aus diesen mitunter sehr schlechten Zeiten, woran Roman Preist selber aktiv mitwirkt, wird beschrieben.
Er setzt sich außerdem intensiv auf einer theoretischen Ebene mit seiner Erkrankung auseinander und kommt zu einigen interessanten Fragen, denen nachzugehen sich lohnt – so etwa zu der Frage, ob die Schizophrenie einen Zugang zu anderen (Wirklichkeits-)Dimensionen darstellen könnte. Auch unternimmt er ein interessantes Experiment, bei dem er sich unter kontrollierten Bedingungen bewusst in einen Krankheitsschub hineingleiten lässt, um diesen besser erforschen zu können. Am Schluss des Buches stellt er einige eigene Thesen auf zur Schizophrenie – hier ist er wieder ganz Naturwissenschaftler. Geistes- und sozialwissenschaftliche Deutungen hätte ich an mancher Stelle auch spannend gefunden, zum Beispiel dort, wo er psychotische Gedanken beschreibt: „Nur durch deine Wahrnehmung existiert die Welt“ – das ist ja ein uraltes philosophisches Problem. Während der Lektüre hatte ich den Eindruck eines sehr einsamen und isoliert lebenden Menschen, und Preist selbst schreibt auch von seiner Einsamkeit – konterkariert wird dieser Eindruck durch Kapitel, in denen es um Beziehungen zu Frauen geht, und man überraschend von einer Heirat und Familiengründung erfährt. Mehr noch durch die Danksagung, die erkennen lässt, dass die Isolation wohl doch nicht so umfassend gewesen sein kann. Da erst geht einem die volle Bedeutung des Buchtitels „Mein Leben in zwei Welten“ auf, denn tatsächlich gelingt es Preist über längere Strecken, ein nach außen hin „normales“ Leben aufzubauen, und gleichzeitig immer noch mit psychotischen Gedanken und Wahrnehmungen zu kämpfen – und mit diesen ist er ganz allein.
Etwas anderes, Psychiatriepolitisches fiel mir auch noch auf: dieser ganze „ambulante Zirkus“, um das mal so despektierlich zu nennen, kommt hier nicht vor. Es kommen vor: psychiatrische Kliniken, eine Psychotherapie-Klinik, die ihm wohl gut geholfen hat, und mehrfach (ambulante) „Therapeut/inn/en“ – ich wusste nicht genau, ob darunter Psychotherapeut/inn/en oder doch niedergelassene Psychiater/innen zu verstehen seien, glaube aber eher Erstere. Kein Betreutes Wohnen, obwohl der Verfasser dafür vielleicht sogar in Frage gekommen wäre, keine Kontakt- und Begegnungsstätte, um die Isolation zu mildern (stattdessen ein „normaler“ Freizeitklub), keine berufliche Reha, an die man hier sehr wohl hätte denken können. Stattdessen jemand, der trotz vieler psychotischer Schübe und teilweise lang anhaltender Symptome immer wieder eine qualifizierte Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausübt, heiratet, Familie gründet und mit seiner Frau/Freundin wie selbstverständlich Fernreisen macht. Nicht gerade das, was ich von Menschen mit der Diagnose „Schizophrenie“ als üblichen Lebensstil kenne. Ich will natürlich den Ausbau der ambulanten Einrichtungen nicht schlechtmachen, aber erneut stellt sich mir die Frage, ob manche Menschen eher Erfolg in der Bewältigung ihrer Erkrankung haben, wenn sie nicht zu viel psychiatrische „Hilfe“ in Anspruch nehmen ...
Hochachtung auf jeden Fall vor dem Autor, der so präzise, so offen und schonungslos über sich berichtet. Auch wenn seine Vorliebe für eher naturwissenschaftliche Betrachtungsweisen nicht für jeden zugänglich sein wird, ist es doch ein sehr mutmachendes Buch, das aufzeigt, wie viel man gegebenenfalls als Betroffener auch selbst tun kann. Spannend zu lesen außerdem.
Ich wünsche ihm viele interessierte Leser/innen!

Ilse Eichenbrenner in: Soziale Psychiatrie:
Einsichten in Schizophrenie – für Einsteiger und Experten
Die Bücher von Dorothea Buck, damals noch unter Pseudonym publiziert, und Unica Zürn („Der Mann im Jasmin“) waren die ersten, die mir eine Ahnung davon gaben, wie sich eine Psychose anfühlen könnte. Wenige andere folgten, ich denke vor allem an Andreas Gehrke, der mich mit seinem Manuskript „Aufbruch aus dem Angstkäfig“ erstaunte. Hier war man nicht auf der Spur eines Morgensterns, sondern im Zentrum des Verbrechens. Vielleicht sind psychotische Männer eher in lebensgefährliche Krimi-Handlungen verstrickt als weibliche?
Ich beneide die jungen psychiatrisch Tätigen ein wenig um die Introspektion, die ihnen aktuelle Filme und Texte gewähren. (...)
Roman Preist ist ein raffinierter Autor und „Mein Leben in zwei Welten“ clever konstruiert. Der Titel ist 2008 erstmals bei „dtv“ erschienen und findet nun hoffentlich in der aktualisierten und ergänzten Neuausgabe des Paranus-Verlags noch einmal neue Leser. Dem jungen Biophysiker scheint eine glänzende akademische Karriere bevorzustehen, als er bei einem Studienaufenthalt in Madrid dekompensiert. Zunächst ist es nur ein Verdacht, ein Gefühl von Eifersucht, das ihn überschwemmt. Eine alte Furcht nimmt überhand: nicht wirklich ein Mann zu sein – und alle anderen könnten es sehen. Die Krebserkrankung der Mutter gibt seinem Wahn neue Nahrung; er ist auf der Flucht vor seinen Peinigern und will sich in seiner Verzweiflung töten. Dies alles ist glänzend und aufregend beschrieben, sehr ausführlich, aber umso mehr packt es den Leser. Es folgen der unvermeidliche Aufenthalt in der Psychiatrie, die neuroleptische Behandlung, das Absetzen und neue Krankheitsphasen. Mit der Karriere ist es vorbei, aber der Autor findet immer wieder einen Job als Pharmavertreter, er hat Freunde und zuletzt sogar eine Freundin und ein Kind. Dies ist die erste Hälfte des Buches. Die zweite enthält kluge Reflexionen zur Krankheit und der Rolle der Schizophrenen. Mit wissenschaftlicher Akribie versucht Preist das Wesen und die Ursache der Schizophrenie zu ergründen. Er macht sich selbst zum Studienobjekt, indem er absetzt und das Abgleiten in die Psychose beobachtet und seine Schlüsse daraus zieht. Besonders interessant sind seine Überlegungen, es könnte weitaus mehr als drei oder vier Dimensionen geben und Schizophrene hätten Zugang zu ihnen. „Ist die Schizophrenie dann womöglich eine Begabung in der sechsten Dimension?“ Verschiedene Konzepte werden vorgestellt, natürlich das gängige Vulnerabilitäts-Stress-Modell, aber auch eine von ihm selbst entwickelte Dopaminpuffer-Hypothese und ein Fehlerratemodell. Damit war ich ein wenig überfordert, aber ein Medizinstudium mag hier weiterhelfen.

Andreas Manteufel in: systhema:
(...) Die Lektüre lohnt schon deswegen, weil solche schonungslosen und ausführlichen Selbstberichte selten sind. Roman Preist, der seine Krankheitsphasen im Kontext von lebensgeschichtlichen und beruflichen Ereignissen schildert, schreibt sehr offen, direkt, spannend und sprachlich versiert. Bisweilen gelingt es ihm, mit literarischen Mitteln die Veränderung des Selbsterlebens in der Krankheitsphase nachzuvollziehen. Da geht z.B. plötzlich die Ich-Erzählperspektive in die dritte Person über, als er begreift: „die starke Emotion, die ihn überflutet hatte, hatte ihn das erste Mal über eine Schwelle geführt“ (S. 65). Als sein eigener Beobachter und Interpret vermittelt Preist in dieser Geschichte genügend Ansätze zu einer „Theorie der Schizophrenie“. (...)
Dieses Buch kann fesseln, es kann auch Betroffenheit, Mitgefühl, vielleicht Schrecken hinterlassen. Die Lektüre öffnet eine Türe in die Innenwelt der Krankheit, um die sich so viele Urteile und Vorurteile ranken. Ich kann nur jedem, der beruflich mit ihr zu tun hat, empfehlen, dieses Buch zu lesen.

Svenja Bunt auf www.verrueckte-buecher.de:
Der unter einem Pseudonym schreibende Autor ist promovierter Biophysiker, der im Alter von 30 Jahren mit Schizophrenie diagnostiziert wird. In diesem Buch beschreibt er die verborgene, innere Welt der Schizophrenie mit ihren Ängsten, wilden Assoziationen und komischen Wahnideen. Der Titel ist so zu verstehen, dass der Mensch mit Schizophrenie in zwei Welten leben muss: zum einen der äußeren, alltäglichen Welt von Beruf und Familie, Freunden und diversen Verpflichtungen; zum anderen die innere, schizophrene Welt mit ihren Ängsten und merkwürdigen Ideen.
Das Buch ist, glaube ich, sehr nützlich für alle Menschen, die sich beispielhaft darüber informieren wollen, wie schizophrenes Denken und Empfinden sowie Handeln aussehen kann. Es ist auch sehr nützlich für die vielen Betroffenen, die mit Schizophrenie diagnostiziert worden sind, aber Zweifel daran haben, ob diese Diagnose wirklich stimmt. Viele der beschriebenen Gedankenwelten und Gefühlslagen werden andere Betroffene wiedererkennen. In diesem Wiedererkennen können Betroffene lernen, die Diagnose nachzuvollziehen. Denn auch wenn die Details einer Psychose sehr individuell sind, bestimmte Ängste und Gedankenflüge haben große Ähnlichkeit zwischen den verschiedenen erkrankten Menschen.
Vor allem ist dies ein ehrliches Buch. Es schreckt nicht davor zurück, auch schwierige Seiten der eigenen Persönlichkeit, der eigenen Biographie offenzulegen. Den Weg – mit den Etappen plötzliche Erkrankung; Schwierigkeiten, sich mit den Medikamenten anzufreunden; der schwierige berufliche Weg; Täler der Verwahrlosung und Einsamkeit – werden viele Betroffene wiedererkennen. Und doch endet diese Geschichte gut: Normalität ist auch mit dieser Erkrankung möglich. Es ist möglich, eine passende Nische in der Berufswelt zu finden. Es ist möglich, privat sein Leben mit dem anderer Menschen zu verknüpfen. Es ist möglich, Hilfe in einer gewissen Behandlung zu finden und trotzdem sehr normal zu leben.
Ein Detail möchte ich noch diskutieren. Der Autor beschreibt, wie er im Krankenhaus dem Behandlungsteam etwas vorspielt, die vorhandenen Symptome verschweigt, seine Situation beschönigt, um möglichst schnell entlassen zu werden. Meiner Erfahrung nach machen das sehr viele Menschen mit Schizophrenie. Und zugleich ist das ungeheuer traurig, dass die Betroffenen und die Ärzte nicht einfach offen miteinander reden können. Das liegt nicht nur an den Betroffenen, sondern auch daran, dass viele Ärzte einen sehr pathologischen Blick auf die Patienten haben, also nur das sehen, was krankhaft ist. Wenn die Teams in den Krankenhäusern ihre Einstellung ändern würden, wenn es nicht hauptsächlich darum ginge, die Symptome zum Verschwinden zu bringen, sondern die Menschen fit zu machen für ihren Alltag, der oft von leichten Symptomen geprägt ist, dann wären vielleicht mehr Betroffene bereit, offen und ehrlich zu erzählen. Und sie würden erzählen, was in ihnen vorgeht, was sie sich wünschen und wie das Behandlungsteam dabei helfen könnte. Leider meinen viele Ärzte, dass sie sowieso genau wissen, wie man den Betroffenen helfen kann – und ignorieren deren Lebensentwürfe, ihre Träume, ihre Ideen. Offenheit der Betroffenen kann nur entstehen, wenn diese Offenheit nicht bestraft wird und wenn das Team selbst ebenfalls offen ist und bereit, auf das Gehörte einzugehen. Und das Ziel der Behandlung sollte nie einseitig mit pathologischem Blick bestimmt werden. Stattdessen sollte diese Ziel sein, den kranken Menschen fit und stark zu machen für ein normales Leben.
Ein spannendes und offenes Buch, das sich leicht liest und nicht enttäuscht.

Ute Thomsen in: Der Eppendorfer:
Zurück ins Leben finden – mit Schizophrenie
Autor Roman Preist beschreibt seinen 18-Jährigen Krankheitsweg und wagt neue Hypothesen

Angst, Zweifel und das Gefühl, manipuliert zu werden – seine schizophrene Erkrankung hat den Autor Roman Preist oft an die Grenze des emotional Erträglichen geführt. In seinem Buch „Mein Leben in zwei Welten – Zwischen Schizophrenie und Alltag“ beschreibt er die Geschichte von Ralf. Dessen Leben verlief anfangs unauffällig. Vielleicht war Ralf etwas sensibler, vielleicht etwas labiler als andere Menschen, aber bis zum Studium benennt Preist keine gravierenden Vorkommnisse.
Roman Preist beschreibt sich selbst als einen viel versprechenden jungen Naturwissenschaftler, der am Anfang einer steilen Karriere stand, in den angesehenen Fachzeitschriften veröffentlicht und mit renommierten Wissenschaftlern zusammengearbeitet hat.
Während des Studiums kündigten sich dann langsam und schleichend Veränderungen an. Ralf begann, sich verfolgt und ferngesteuert zu fühlen, hörte Stimmen, empfand sich zeitweise als Frau, versuchte mit Alkohol seine Gefühle in den Griff zu bekommen. Während eines Auslandsaufenthaltes in Spanien spitzte sich die Situation zu. Ralf floh nach Hause und unternahm in tiefster Verzweiflung einen Suizidversuch, indem er mit dem Auto gegen einen Baum fuhr. Er überlebte. Ein erster Aufenthalt in der Psychiatrie schloss sich an. Nun erhielt Ralf die Diagnose Schizophrenie. „Die nächsten Jahre verbrachte er in einer Zwischenwelt“, schreibt der Autor. Immer wieder landet Ralf in der Psychiatrie, bemüht sich ansonsten, normal zu leben, nahm seine Medikamente. „Dann probierte er es ohne, weil die Nebenwirkungen so schwer zu ertragen waren und weil er es einfach nicht wahrhaben wollte, dass sein bisheriges Leben schlichtweg vorbei war.“ Und damit manövrierte er sich in die nächste schizophrene Phase.
Roman Preist gelingt es, Ralfs (Gefühls-)Zustände hautnah zu beschreiben, die Komplexität der Erkrankung eingängig darzustellen und das Leben mit ihr zu schildern. Zum Beispiel benennt er auch die „normale“ Angst, den Job zu verlieren, wenn der Arbeitgeber von der schizophrenen Erkrankung erfahren würde. Wer sich auf Ralfs Geschichte einlässt, kann ein Gespür dafür entwickeln, wie ein Leben fest in den Griff einer psychischen Erkrankung geraten kann.
Der Autor begnügt sich aber nicht nur mit der Schilderung seines 18-jährigen Krankheitsverlaufes und seines heutigen Daseins, in dem er sich mittlerweile zurechtfindet. Im zweiten Teil des Buches beschreibt er seine Theorie zu Entstehung und Wesen der Schizophrenie. Dabei erhebt er keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern stellt einige neue Hypothesen vor. Dazu gehört unter anderem „das Fehlerratenmodell bei der Schizophrenie“. Bei dieser Erkrankung sind bestimmte Sinnes- und auch Denkfähigkeiten stark verändert. Laut Preis kommt es so bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken dazu, dass etwas wahrgenommen wird, das gar nicht existiert. Deshalb würden Schizophrene zum Beispiel Stimmen hören, wenn eigentlich gar nichts zu hören ist. „Wohlgemerkt geschieht dies nicht bei der eigentlichen Sinneswahrnehmung, sondern bei der Verarbeitung“, schreibt er.
Den Betrachtungen von Preist zu folgen ist lohnenswert. Seine Hypothesen schaffen neue Perspektiven und Verständnis. Sie können nicht nur anderen Betroffenen helfen, ein anderes (Selbst-)Bewusstsein zu entwickeln, sondern auch Angehörigen und anderen Interessierten, sich einer schizophrenen Welt zu nähern.

Susanne Czuba-Konrad in: Psychosoziale Umschau:
Psychose hautnah
Er heißt Ralf und führt das scheinbar ganz normale Leben eines hochbegabten jungen Mannes, der in Biophysik bei einem renommierten Forscher promoviert und im Anschluss Universitätsstellen im europäischen und außereuropäischen Ausland antritt. Bald beherrscht er Englisch und Spanisch und wird in der Zukunft sicher eine anspruchsvolle Forschungsstelle ergattern. Doch in Madrid wird er unvorbereitet von einer schweren Psychose heimgesucht. Und wie es oft so ist – die Umgebung merkt nicht genug und es vergehen Monate, in denen er von Wahnvorstellungen gepeinigt vor sich hinvegetiert. Erst die Heimkehr nach Deutschland bringt den Psychiatrieaufenthalt, dem viele weitere folgen werden: Für Ralf ist klar – das Kartenhaus seines Lebens ist eingestürzt. Hinzu kommt seine Verunsicherung in Bezug auf Frauen. Manchmal scheinen die weiblichen Anteile in ihm so überbordend zu sein, dass er an seiner Identität als Mann zweifelt, dies wiederum schürt die Angst, die ihn in die nächste Psychose treibt.
»Mein Leben in zwei Welten« ist eine spannende Melange aus Roman und Sachbuch, die die literarischen Fähigkeiten eines Autors zeigt, dessen Bildungswurzeln in den Naturwissenschaften liegen. Bisweilen brutal und sehr akribisch analysiert Roman Preist die Ursachen, Inhalte und Folgen seiner Schizophrenie und zeigt dabei ein sehr präzises Erinnerungsvermögen. Sein konsequentes Vorgehen gegenüber sich selbst führt zu einem riskanten Experiment: In einer Klinik, in der er sich sicher und professionell behandelt fühlt, lässt er sich beim intensiven Schreiben an dem dieser Publikation zugrunde liegenden Manuskript bewusst in eine Psychose gleiten, um mehr über die Schwelle zu erfahren, wo die normale Kreativität in das Einsetzen der Psychosesymptome übergeht.
Der 230 Seiten starke Band ist in mehrere Teile gegliedert. Der Leser erfährt etwas über mögliche psychosefördernde Phänomene in der Kindheit. Hier breitet Preist sich nicht unnötig aus – sein Hauptaugenmerk gilt der Adoleszenz und dem Erwachsenenalter, als die Krankheit ausbricht. Gekonnt wechselt der Autor zwischen Ich- und Er-Perspektive, zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitsform, um so den Leser tief in das Buch hineinzuziehen. Oftmals beschreibt er eine Zeitspanne zunächst aus der Innensicht, sodass sich die psychotischen Erlebniswelten dem Leser voll erschließen, um im Folgekapitel darzustellen, wie es in der äußeren Wirklichkeit um Ralf bestellt war.
Preist beendet seinen Text mit theoretischen Überlegungen. So beschreibt er, dass Menschen, die zur Psychose neigen, häufig mit großen assoziativen Fähigkeiten ausgestattet sind. Bei hohem Stress, einer zu großen Informationsflut und eben auch bei Angst, wird der Informationsfilter geöffnet und es kommt zu Fehlern bei der Weitergabe von Informationen im Gehirn. Für den Schizophrenen macht der in ihm tosende Schwall aus Assoziationen noch einen Sinn, die Außenstehenden erleben aber nur noch Sinnfetzen und der Psychotiker kann seine reale Umwelt nicht mehr erreichen.
Mit dem Untertitel »Innenansichten einer Schizophrenie« ist das Buch bereits 2008 bei dtv erschienen. Nun legt Preist eine erweiterte Fassung vor, in der er seinen Lebensweg der letzten Jahre weitererzählt und auch kurz auf die Resonanz seines Buches eingeht: Zu mehreren Talkshows ist er eingeladen worden, doch er musste diese Chancen für eine weitere Verbreitung seines Buches fahren lassen, denn sonst hätte er seine wahre Identität preisgegeben – und das hätte ihn mit Sicherheit den Arbeitsplatz gekostet. So schützt sich ein Mann, der wohl weder »Ralf« noch »Roman« heißt, mit einem doppelten Pseudonym, weil es viel zu viele Lebenszusammenhänge gibt, in denen man seine Schizophrenie besser nicht kundtut. Ob Roman Preist seine Erkrankung bewältigt hat und wie er inzwischen lebt, das erfährt der Leser in diesem überaus bewegenden Buch.

Christine Theml in: „Nicht ohne uns“:
Roman Preist schreibt über seine Erfahrungen. Es ist ja eine zweifelsfreie Wahrheit, dass jeder seinen Weg selbst finden muss. Er sucht auf eine sehr analytische Weise, spürt den Anfängen nach, macht sogar Selbstversuche, dokumentiert seine Erfahrungen zwischen Schizophrenie und Alltag und entwickelt ein Konzept, wie Schizophrenie verstanden werden kann. Er ist Wissenschaftler und war vor dem Ausbruch der Schizophrenie in der Landschaft der wissenschaftlichen Forschung schon weit vorangeschritten, was natürlich für spätere Zeiten nach den akuten Phasen eine wichtige Ressource für ihn ist.
Die Krankheit Schizophrenie überfällt ihn mit ebenso großer Wucht wie wahrscheinlich jeden anderen auch und macht ihn für lange Lebensjahre zu einem verzweifelt Suchenden aus dem großen Dilemma zwischen wahnhaftem Erleben, vernachlässigt leben, sich aufraffen, ein Stück Normalität schaffen, Rückfall und alles wieder von vorn.
„Der Autor wagt schließlich ein Experiment: Um die Krankheit näher zu erforschen, begibt er sich absichtlich in eine schizophrene Phase. Darauf aufbauend endet das Buch mit einem Theorieteil, in dem Preist seine eigenen Ansichten über das Wesen der Schizophrenie beschreibt - allein dieser Innenperspektive aus Sicht eines Betroffenen eine äußerst interessante Lektüre“, schreibt Aware“, ein Magazin für Psychologie.
Abgesehen von dem ungewöhnlichen Versuch, dem Wesen der Schizophrenie als Betroffener sich ein Stück verstehend zu nähern, ist das Buch ganz wichtig für jedermann, da es nachvollziehbar macht, was alle Nichtbetroffenen nicht verstehen wollen.
„Man kann sich da nicht einfühlen“, habe ich oft gehört. Es ist aber sehr hilfreich, wenn einem dazu solch eine Einsicht geboten wird. Dabei ist der Weg von Roman Preist voller Seitenwege, Abzweigungen, Durststrecken. Viel Fantasie gehört dazu, immer wieder zu probieren, was für ein gesundes Leben nützlich werden kann. Auch in den Zeiten des Rückzugs hat er Freunde nicht verloren. Das kommt begünstigend hinzu.
Aber die wichtigste Triebkraft, ein weitgehend normales Leben anzustreben, war sein Wille, sich der Krankheit nicht zu fügen. Es geht nicht ums Verleugnen, ums Ablehnen, sondern um den Weg immer wieder in gesunde Phasen zu finden und daran weiter zu bauen.
Seine Versuche sind ungewöhnlich, ich möchte sie hier nicht aufzählen, sondern das Buch empfehlen.

Gilderundbrief / Gilde Soziale Arbeit Hamburg e.V.:
Der Autor, ein hochbegabter Biophysiker, erlebt beim steilen beruflich-akademischen Aufstieg den Zusammenbruch der geistigen Kräfte: In der Sichtweise der Psychoanalyse erleidet er einen Ich-Infarkt. In unvergleichlicher Eindringlichkeit erlebt der Leser, wie die Ich-Grenzen Roman Preists zu vibrieren beginnen, in unkontrollierte Schwingungen übergehen und in chaotischem Geschehen münden. Das verzweifelte Aufbäumen gegen diesen Prozess verzehrt die letzten Kräfte, Ich-Anteile lösen sich und versinken, die „normale“ Persönlichkeit geht unter. Erynnien, Furien, Widerdämonen und immer wieder Angst ergreifen ihn, so dass er in ein anderes Wesen flüchten muss und zu seinem „Zwillings“bruder Ralf wird.
Wir erleben mehrere Male, wie der Autor gerade noch von anderen gerettet, zuweilen durch Erkennen des nahenden psychischen Angriffs, von sich aus fachliche Hilfe in Anspruch nehmen kann. Besonders ist es eine Psychosomatische Klinik, die in geografischer Abgeschiedenheit heilend wirkt, und durch die Zuwendung einfühlsamer Therapeuten eine Rückkehr in die „Normalität“ erlaubt: Der Autor arbeitet seit Jahren als Spezialist bei einem Pharma-Unternehmen.
Das Buch schließt mit Überlegungen des Autors zu Einordnung und Verlauf u.a. der Schizophrenien und zu ihrer Erlebniswelt.
Das sind kluge, lehrreiche Betrachtungen. Ein anregendes, aufregendes und erregendes Buch, ein Buch für starke Nerven.

Internetportal Autoren Forum Montségur:
Mit seinem Buch "Mein Leben in zwei Welten" ist Roman Preist eine kristallklare Beschreibung und Analyse psychotischen Erlebens und Handelns gelungen. Wie er es geschafft hat, trotz aller Komplikationen einen Beruf zu ergreifen und eine Familie zu gründen, schildet er mit großer Ehrlichkeit und scharfem Verstand in diesem Buch, das sich teilweise als Roman, teilweise als Sachbuch liest.
Der Paranus-Verlag Neumünster hat das Buch, das zuerst 2008 bei dtv erschienen war, neu aufgelegt und auch die jüngsten Entwicklungen im Leben des Autors mit einbezogen.

Rezensionen auf amazon.de:
5.0 von 5 Sternen hilfreich, 1. April 2010
Von L. Riedel: Ich lese viele Bücher über Psychosen um meine eigene zu verstehen und einschätzen zu können wie sich mein Leben weiter entwickeln kann.
An diesem Buch fand ich es spannend, dass diese mir fremde Person so vieles ähnliches erlebt hat wie ich. Von Identitätsbewusstsein über die häufiger auftretenden Botschaften und die Wortspielereien mit denen man sich die schlaflose Zeit vertreibt wenn man wieder durchdreht.
Es war spannend zu lesen wie jemand anderes das alles erlebt und wie er oder sie sich die Krankheit erklärt. Es wirkt gleich weniger bedrohlich wenn man versteht warum welche Wahnideen auftreten.
Spannend für mich war es zu lesen wie es ist eine Psychose zu durchleben und sie nicht immer gleich mit Medikamenten platt zu hauen.
Ich kann das Buch für Betroffene und Interessierte wirklich empfehlen.
Es sticht meiner Meinung nach durch Ehrlichkeit und einfache Schreibweise hervor, ohne langweilig und unfachlich zu sein.

4.0 von 5 Sternen Interessante Innenansichten, 28. August 2008
Von Daniela Möhrke (Leipzig): In seinem autobiographischen Buch "Mein Leben in zwei Welten: Innenansichten einer Schizohrenie" entführt Roman Preist den Leser in die Denkweise und das Verhalten eines Menschen, der an Schizophrenie erkrankt ist. Die Tatsache, dass der Autor über seine eigenen Erfahrungen schreibt (wenn er sich selbst im Buch auch einen anderen Namen gibt), macht das Buch besonders beeindruckend, aufschlussreich und auch schockierend.
Der Anfang des Buches ist an Roman Preists erste wirkliche Erinnerung geknüpft und von da an schildert er hauptsächlich die Dinge, die letztendlich alle ausschlaggebend für seine spätere Psychose sind. Schon früh plagen ihn Selbstzweifel und er fühlt sich oft sehr unsicher. Trotzdem ist er in vielerlei Hinsicht auch ein Genie und interessiert sich für die verschiedensten Dinge: an erster Stelle stehen sicher die Naturwissenschaften und Forschung, aber auch Sprachen und vieles andere liegen ihm sehr. So steht ihm theoretisch nichts für eine erfolgreiche Zukunft im Wege.
Doch seine Selbstzweifel und der berufliche, wie auch private Stress zeigen irgendwann ihren Einfluss. Alkoholismus, Verfolgungswahn und Angstzustände sind nur einige Punkte, die sein Leben von nun an immer mehr beeinflussen.
Interessant und detailiert schildert Roman Preist sein Leben mit der Krankheit, wenn es auch teilweise etwas verwirrend wirkt und das Buch ein paar Längen hat. Trotzdem ist es sehr aufschlussreich mehr über diese Krankheit zu erfahren, unter der immerhin 1% der Bevölkerung leidet. Während des Lesens hatte ich manchmal das Gefühl, dass man am Schreibstil erkennen kann, ob sich der Autor gerade wieder in einer psychotischen Phase befand oder nicht. Er selbst schreibt ja auch, dass er in der Psychose häufig viel kreativer ist, andererseits aber auch zum Abschweifen neigt.
Abschließend empfand ich die Betrachtungen des Autors zum Wesen und der Entstehung der Schizophrenie am Ende des Buches nochmals als wirklich informativ. Diese Gedanken bilden den gelungenen Abschluss eines insgesamt wahrhaft bereichernden Buches.

4.0 von 5 Sternen Die Klänge des Wahnsinns, 18. Juni 2008
Von Heike Geilen (Dresden):Roman Preist (43) offenbart dem Leser die Herrscher im Reich der Gedanken eines Schizophrenen
Filme wie "Einer flog über Kuckucksnest" oder "A Beautiful Mind" thematisierten sie, Alfred Hitchcock und David Fincher spielten in ihren Filmen mit ihr, der Horrorfilm missbrauchte sie: Die Schizophrenie. Noch heute ist diese endogene Psychose, die der Münchener Ordinarius für Psychiatrie Ernst Kraepelin unter dem Begriff "Dementia Praecox" beschrieb und für die der Züricher Psychiater Eugen Bleuler 1911 den Begriff Schizophrenie einführte, eine der rätselhaftesten, unheimlichsten und besonders von Vorurteilen überfrachteten Störungen.
Jeder, der schon einmal einen Marathon gelaufen ist, kennt diesen kritischen Punkt: ein kleiner Anstieg im letzten Drittel kann den bis dato im aeroben Bereich befindlichen - den relativ konstant gehaltenen - Puls außer Kontrolle bringen. Jetzt gilt es zu entscheiden: entweder man verlangsamt seinen Lauf oder man lässt zu, dass der Puls immer weiter steigt.
Der Leser dieser Rezension wird sich fragen, was diese Ausführung mit dem vorliegenden Buch zu tun hat. Roman Preist meint: Sehr viel. "Mit dem Assoziieren in der Schizophrenie war es wie mit dem Puls beim Laufen. Über lange Zeit halten sich die Assoziationen auf konstantem Niveau. Plötzlich jedoch - durch ein äußeres Ereignis - verändert sich etwas. So wie der Läufer den Berg bewältigen muss, kommt auf den Schizophrenen eine Anstrengung zu. (...) Er sucht nach einem Ausweg aus seiner bedrohlichen Situation, und sein 'Assoziationspuls' steigt. (...) Es kann zur Folge haben, dass der Lauf der normalen Gedanken plötzlich abbricht und er nicht mehr klar denken kann."
Der Autor dieser Autobiografie weiß wovon er spricht, denn er ist Betroffener. Seit dreizehn Jahren lebt er mit dieser Krankheit, hat Episoden mehr oder weniger schwerer Anfälle hinter sich gebracht, in denen er von extremem Verfolgungswahn befallen ist, innere Stimmen hört und von grenzenloser Verlorenheit und Verzweiflung heimgesucht wird. Preist wird immer wieder in Psychiatrien eingeliefert, hat mehrere Selbstmordversuche hinter sich, verwahrlost zeitweise extrem, bewegt sich mitunter am Rande des Wahnsinns.
Dieses Buch bezeichnet der Autor selbst als Reiseführer "in das Land jenseits dessen, was die meisten von uns 'normal' nennen." Preist lässt den Leser Seiten des menschlichen Geistes kennenlernen, die sich wie ein inszenierter Thriller oder Science-Fiction-Szenario lesen. Doch es sind seine Gedankengänge, seine empfunden Erlebnisse, Abgründe, aber auch Höhen seines Denkens und Fühlens während einer Psychose, die er ungeschminkt und ungeschönt mitteilt.
Seinem Ich hat Roman Preist im Buch einen anderen Namen gegeben. Er nennt sich Ralf Köter und beginnt sein Leben vor dem Ausbruch der Krankheit in der Ich-Form zu erzählen. Relativ sozial zurückgezogen zeigen sich bereits in seiner Kindheit und Jugend erste schleichende Anzeichen. Bei einem Forschungs-/Sprachaufenthalt in Madrid wird der "Hebel endgültig umgelegt". Ab diesem Zeitpunkt berichtet der Autor in der dritten Form, so als grenze er sich von der Person ab, die mit dem "normalen" jungen Mann auch nichts gemein hat.
Erschreckend, betroffen, mystisch, ja auch faszinierend lesen sich die nahezu unvorstellbaren Phasen während einer solchen Psychose. Sei es der schier unendliche Fluss aus zusammenhanglosen Worten und Wortkombinationen, der seinem Kopf entspringt und die er auf einer Unmenge von Zetteln notiert oder die Gedankengänge, die ihn zeitweise gar in höhere, bewusstseinserweiternde Sphären eintauchen lassen. Oder die akustischen oder optischen Halluzinationen, die in befallen. Preist offenbart alle Stadien, durch die er gegangen und in denen er gefangen war. Der Autor analysiert selbstkritisch seine Vergangenheit, verzichtet aber bewusst auf eine Wertung des Geschehens.
An das Ende des Buches hat er einen wissenschaftlichen Teil gestellt, in dem er selbst gut nachvollziehbare (wissenschaftlich nicht belegte) Thesen und Theorien über Entstehung und Ursachen der Schizophrenie aufstellt.
Fazit: Eine schonungslose und erschütternde Autobiografie des an Schizophrenie erkrankten promovierten Biophysikers Roman Preist. Mit einfachen Worten und Sätzen spricht ein Mann offen und ehrlich über eine Krankheit, die in der Gesellschaft ganz schnell stigmatisiert wird.

4.0 von 5 Sternen unglaublich und erschütternd!, 31. Mai 2008
Von Wolfgang Gonsch (Passau):
Zu Beginn dieses autobiographischen Buches - der Autor beschreibt hier seine eigene Kindheit - wird man mit aller Härte mit Dingen wie erheblichem Zweifel an der eigenen Identität konfrontiert; hier beginnt der rote Faden, der trotz manch maliger Unauffindbarkeit immer wieder eine neue Tortur einläutet. Danach geht es aber verdächtig ruhig weiter, die eigentliche Thematik - die Schizophrenie - tritt ab und zu in den Hintergrund, was beim Leser aber nur vermehrt düstere Vorahnungen weckt.
Nach einer steilen wissenschaftlichen Bilderbuchkarriere, beziehungsweise dem Traumstart einer solchen, wird man auf grausame Art und Weise damit konfrontiert, wie eine heimtückische Krankheit Stück für Stück eine Zukunft vernichten kann. Von diesem Zeitpunkt an geht es immer weiter abwärts, tiefer in das, was man als Wahnvorstellungen oder Verfolgungswahn bezeichnet. Der erzählende Hauptteil des Buches endet mit der - bis dato - erfolgreichen letzten Stabilisierung des Patienten auf ein gesundes Niveau.
Mit Ausnahme des letzten Abschnitts bedient sich Preist der dritten Person und analysiert selbstkritisch seine Vergangenheit, verzichtet aber bewusst auf eine Wertung. So erreicht Roman Priest, dass man einen Einblick in die nur von Außenstehenden als unlogisch zu bezeichnenden Gedankengänge und Einblicke in das Leben eines an einer Psychose Erkrankten erhält. Zwar ist man als Leser zunächst über viele Assoziationen verwirrt, was aber später mit dem Anhang beseitigt wird.
Der Autor hat eine fesselnde und erschütternde Autobiographie geschrieben, die nur gelegentlich zur Langatmigkeit neigt. Der Anhang mit allen, wissenschaftlich nicht immer belegten Thesen und Erklärungen ist leicht verständlich formuliert, rundet das Buch perfekt ab und beantwortet posthum viele Fragen aus dem Hauptteil.
Bei aller Spannung: den berühmten Draht zur Thematik braucht man aber auf alle Fälle!

5.0 von 5 Sternen Tiefgründig, humorvoll, aufschlussreich, absolut empfehlenswert, 3. Mai 2008
Von J. Willms:
Ein sehr beeindruckendes Buch, ehrlich, schonungslos, tiefgründig, aber ohne Schwere. Es ist locker zu lesen, was durch den teilweisen humoristischen Schreibstil des Autors (ich musste einige Male laut lachen) ermöglicht wird. Er führt den Leser über sein "normales" Leben bis zum Beginn des Ausbruchs seiner Krankheit und dem Erlernen des Umgangs mit dieser durch seine seelischen Welten. Der Leser bekommt tiefe Einblicke in schizophrene Gedankenabläufe- und muster. Ein Muss für alle selbst Betroffenen, betroffenen Familienmitgliedern und Freunden, aber auch für "Profis", wie Psychologen, Psychiater und Personen, die mit Psychotikern beruflich zu tun haben. Es ermöglicht ein gutes Verständnis vom Sein, Denken und Fühlen eines Menschen, der sich in einer akuten Psychose befindet. Im letzten Kapitel des Buches (30 Seiten) entwickelt der Autor selbst eine Theorie über das Entstehen von Schizophrenie und deren mögliche Behandlung - auch für den Laien gut verständlich geschrieben. Hier sollten aber gerade die Behandler mal genauer nachlesen. Immerhin ist dies von einem Wissenschaftler geschrieben, der auf dem Weg war, einen Nobelpreis zu bekommen. Insofern erinnert es an "A Beautiful Mind". Auch er hat es geschafft, mit seiner Krankheit zu leben und zeigt anderen Betroffenen einen möglichen Weg auf. Absolut lesenswert!

Sozial (DPWV Schleswig-Holstein):
Einen „Reiseführer in das Land jenseits dessen, was die meisten von uns, ‚normal’ nennen“, hat Roman Preist verfasst: Es geht um das Land der Wahrnehmungen, Bilder und Gedanken der Menschen, die schizophren sind. Preist kennt sich dort aus: Er ist einer dieser Menschen, er ist schizophren. Der Biologe, den die Krankheit packte, als er seine Karriere als Forscher gerade so richtig starten wollte, will mit seinem Buch „in die Abgründe und Höhen meines Denkens und Fühlens“ entführen. Sibylle Prins, auch Autorin und Psychiatrieerfahrene, schreibt über Preists Werk: „Durch die minutiöse Schilderung, wie die Wahrnehmungen sich zunächst an einer kleinen Begebenheit entzünden, immer stärker das gesamte Leben überfluten und es schließlich zu einer Situation der Unausweichlichkeit und Eskalation kommt, der Autor dann in der Psychiatrie ‚landet’, bekommt der Leser einen beklemmenden, aber auch sehr plastischen und anschaulichen Eindruck von diesem psychotischen Erleben. Selbst Betroffene werden darin Eigenes wiederfinden, für Nichtbetroffene wird es sehr nachvollziehbar gemacht.“
Aber Preist schafft es trotz der Krankheit, einen einigermaßen normalen Alltag zu führen. Am Ende des Buches schildert er mögliche Erklärungsansätze für die Schizophrenie.


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